Zwischen Rückblick und Aufbruch
Im März stand ich in Bishoftu, Äthiopien, mitten in einem Moment, von dem ich wusste: Das werde ich nicht vergessen. Meine afrikanische Partnerorganisation ACTEA, die Association for Christian Theological Education in Africa, hat ihr 50-jähriges Jubiläum gefeiert. Fünf Jahrzehnte Einsatz für qualitativ hochwertige Ausbildung von Pastoren in Afrika. Als ich im Plenum saß und die Berichte hörte, wurde mir neu bewusst, wie viele Generationen vor uns treu gebaut, gebetet und investiert haben. Es war ein tiefes Gefühl von Dankbarkeit – und auch Demut, Teil dieser Geschichte sein zu dürfen.
Für mich begann die intensive Zeit jedoch schon einige Tage früher mit dem Leitungstraining für Frauen. Über 60 Frauen aus 17 afrikanischen Ländern kamen zusammen – jede mit ihrer eigenen Geschichte, ihren Kämpfen und ihrer Berufung. Manche sind die einzige Frau unter den Lehrern ihrer Seminare. Manche tragen enorme Verantwortung, oft ohne großes Netzwerk im Rücken. Als wir uns vorstellten und die ersten persönlichen Erfahrungen geteilt wurden, war schnell klar: Hier entsteht mehr als nur eine Schulungswoche.
In den Einheiten zu geistlicher Leiterschaft, Selbstführung und Konfliktfähigkeit ging es nicht nur um Theorie. Es ging um echte Fragen: Wie bleibe ich innerlich gesund? Wie führe ich mit Integrität in einem Umfeld, das mich nicht immer selbstverständlich akzeptiert? Wie halte ich durch, wenn Widerstände kommen? Besonders bewegend waren die Gebetszeiten. Frauen beteten füreinander über Länder- und Denominationsgrenzen hinweg. Es flossen Tränen – aus Erschöpfung, aber auch aus neuer Hoffnung.
Ein Moment bleibt mir besonders im Herzen: Eine Teilnehmerin sagte, sie habe zum ersten Mal erlebt, dass ihre Herausforderungen nicht relativiert, sondern wirklich verstanden werden. Da wusste ich wieder, warum wir das tun.
Das Jubiläum selbst war feierlich, festlich, voller Begegnungen. Über 300 Menschen kamen zusammen, um Gottes Treue zu feiern. Doch zwischen all den Programmpunkten waren es für mich die stillen Gespräche am Rand, die mich am meisten berührten.
Ich ging erschöpft, aber innerlich erfüllt nach Hause. Das 50-jährige Jubiläum hat mir gezeigt, wie weit Gott uns geführt hat. Und das Leitungstraining hat mir vor Augen geführt, wie viel noch vor uns liegt. Die nächste Generation von Leiterinnen steht bereit – mutig, kompetent und tief verwurzelt im Glauben. Teil davon zu sein, ist für mich Geschenk und Auftrag zugleich.
