Wo kommt mein Kind zur Welt?
„Wo soll mein Kind nur zur Welt kommen?“
Diese Frage stellte sich sicher auch Maria. Kurz vor der Geburt war sie mehrere Tage auf einem Esel von Nazareth nach Bethlehem unterwegs – über unwegsames Gelände mit vielen Steigungen: für eine Hochschwangere eine enorme Strapaze! In Bethlehem angekommen, fanden sie keine Unterkunft. Schließlich kam ihr Sohn in einem einfachen Stall zur Welt.
Heute wird diese Szene oft romantisiert. Doch Maria war damals wohl voller Anspannung, Sorge und Emotionen – vor, während und nach der Geburt.
Ähnlich fühlte ich mich in der ersten Jahreshälfte. Ich war schwanger mit unserem vierten Kind – in Peru. Lange überlegten wir, wo unser Baby zur Welt kommen sollte; am Krankenhaus Diospi Suyana haben wir eine sehr gute medizinische Versorgung, doch seit dreieinhalb Jahren fehlt dort ein Gynäkologe.
Mein Wunsch war klar: Ich wollte in Peru bleiben. Ich wollte unsere Kinder nicht aus ihrem gewohnten Umfeld reißen und auch selbst in der vertrauten Umgebung geborgen bleiben. Monatelang beteten wir und suchten nach einem Frauenarzt oder einer Hebamme – ohne Erfolg. Die Ungewissheit machte mich zunehmend unruhig.
Schließlich saß ich – hochschwanger und spontan – im Flugzeug von den Anden Perus auf die Schwäbische Alb nach Deutschland; dort erlebten wir vom ersten Tag an, wie Gott versorgt: Unsere Familien nahmen uns liebevoll auf, wir fanden kurzfristig eine Hebamme und Freunde halfen uns, die richtige Geburtsklinik zu wählen.
Die Geburt verlief schnell und unkompliziert, unsere Tochter kam gesund zur Welt. Doch schon am ersten Lebenstag hatte sie plötzlich unerklärliche Atemaussetzer und wurde zur Beobachtung auf die Kinderstation verlegt. Als die ersten Untersuchungen vorbei waren, musste ich an die frische Luft.
Die Tränen, die kamen, waren keine Tränen der Angst – sondern der Dankbarkeit.
Mir wurde bewusst: Gott hatte uns ganz bewusst von Peru nach Deutschland geführt, damit unsere Tochter dort bestmöglich versorgt werden konnte. Ich hatte so mit dieser Entscheidung gehadert – doch Gott sieht weiter als wir. Er kennt unsere Zukunft.
Ich kann mir gut vorstellen, dass auch Maria mit ihrer Situation zu kämpfen hatte; doch rückblickend ist klar: Gott schrieb mit ihr eine ganz besondere Geschichte. So will auch ich immer wieder neu darauf vertrauen, dass unser Weg – trotz aller Umwege – in seinen guten Händen liegt.
Gebetsanliegen
- dass wir als Familie nach dieser Übergangszeit wieder gut in Peru ankommen
- dass unsere Tochter unbeschwert wachsen darf
