Wieder in Paraguay

Von März bis September war ich in Europa im Reisedienst; jetzt bin ich wieder in Paraguay beim Kinderwerk Su Refugio. Es tut gut, bekannte Gesichter wiederzusehen: meine Angehörigen, meine Kollegen und Nachbarn – und natürlich die Kinder, von denen einige in den letzten Monaten ordentliche Wachstumsschübe bekommen haben.

Alltägliche Herausforderungen

Andererseits brauche ich etwas Zeit, um mich wieder an alles zu gewöhnen: andere Produkte in Supermarkt und Bäckerei, andere Umgangsformen, andere Arbeitsmethoden, andere Verkehrsverhältnisse, andere Werte etc. Vieles regt mich immer noch auf, auch nach all diesen Jahren in Südamerika – zum Beispiel, wie ohne zu überlegen achtlos Müll auf die Straße geworfen wird. Oder wie wenig Hilfe den Armen zur Verfügung steht, wenn sie krank oder von anderen Schicksalsschlägen getroffen werden. Oder die zusätzlichen Gefahren, mit denen man beim Autofahren rechnen muss: Hunde, Kühe, riesige Schlaglöcher, Fahrzeuge, die nachts ohne Licht unterwegs sind, und die vielen unberechenbaren Fahrer, die nie einen Fahrkurs gemacht haben ...

Mein primäres Anliegen

Da ist es sehr leicht, sich von der eigentlichen Aufgabe ablenken zu lassen. Oft fange ich plötzlich an, in meinen Gedanken Briefe an die Stadtverwaltung zu verfassen oder mir andere Projekte zu überlegen, um die Gesellschaft zu reformieren.

Aber darum geht es ja nicht primär! Ich bin ja nicht in Paraguay, um ihnen meine deutschen Werte zu bringen oder mich in ihre politischen und strukturellen Herausforderungen einzumischen. Ich bin hier, um die Liebe Gottes zu verkündigen! Und viele der Probleme, die ich sehe, lösen sich vielleicht von selbst, wenn Menschen für Gottes Geist empfänglich werden.

Das gilt übrigens nicht mal in erster Linie für die Bewohner dieses Landes; auch für mich selbst muss das Evangelium, die Frohe Botschaft, zentral sein. So komme ich auch über die
kritischen Gedanken hinweg und kann mich in die Freude des Herrn ziehen lassen.

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