Wie mich der Vater gesandt hat …

„Gott hatte einen einzigen Sohn, und den machte er zu einem Missionar!“

(David Livingstone)

„Ich habe viel zu geben“, meinte ich naiv im Blick auf meine gute Lehrerausbildung, als ich mit knapp 21 Jahren zur Gründung einer Missionsschule in den Urwald gesandt wurde. Vier Jahre später war ich ausgepowert. Ganz anders war es, als Gott mich nach Ecuador in die Rundfunkmission rief: Ich empfand es als demütigend, für diese Arbeit keinen Titel und keine Erfahrung vorweisen zu können und mir die notwendigen Fähigkeiten erst erwerben zu müssen. Erst viel später wurde mir meine Arroganz bewusst, als Missionarin immer die Gebende, die Überlegene sein zu wollen.

Eine andere Erfahrung machte Pedro*, ein Kichwa-Indianer in unserem Trainingsprogramm in Ecuador: Bei seiner Ankunft auf dem Missionsfeld funktionierte seine Bankkarte nicht. Er stand da ohne einen Cent und mitleidige muslimische Nachbarn nahmen ihn wie einen Sohn in ihre Familie auf. Kurioserweise war gerade seine Bedürftigkeit ein Schlüssel für das Evangelium.

Wir singen an Weihnachten von Jesus: „Entäußert sich all seiner Gewalt, wird niedrig und gering, nimmt an sich eines Knechts Gestalt, der Schöpfer aller Ding.“

Auf diesen Maßstab für einen Missionar wollten wir hinweisen, als wir uns für die Losung an der Wand unseres Gebetszimmers entschieden: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“ (Joh. 20,21).

Ich verstehe bereits, wie wichtig es ist, den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen; doch das Missionskonzept Jesu, in Bedürftigkeit zu dienen, ist eine Herausforderung. Die Urgemeinde hatte es begriffen – auch ohne Geld, ohne Versammlungshäuser und ohne politische Macht starteten sie eine Bewegung, die die Welt verändert hat.

Nun, in der Begleitung der Missionsbewegung in Paraguay, bete ich, dass wir in Gehorsam vom Vater nach dem Vorbild Jesu und in der Kraft des Geistes dienen lernen.

* Name geändert

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