Wenn Gottes Gegenwart Mauern durchbricht
Die Mission hat eine Gemeinde – überall
Licht strahlt in die Dunkelheit!
Mitten in der Wüste brennt die Sonne auf eines der berüchtigten Gefängnisse am Rande von Ica, das sich selbst als „Stadt der ewigen Sonne“ bezeichnet. Antonio vergisst die Welt um sich herum, blendet die Geräusche, den Gestank, die latente Gefahr, die Demütigungen und die Hoffnungslosigkeit um sich herum aus und liest in der Bibel.
Er meditiert über das, was er da liest. Er hat ja viel Zeit. Er betet, fastet – und mit der Zeit fängt er an, diesen Ort mit anderen Augen zu sehen: „Wisst ihr, es ist ein komplexer Ort, in dem ich gelandet bin. Und was für eine große geistliche, moralische, persönliche und materielle Not hier herrscht!“
Kaum hat er das erzählt, überkommt es ihn: „Nur die nächsten Verwandten besuchen mich. Meine Kumpel und all die anderen – die scheinen sich in Luft aufgelöst zu haben. Die sind weg. Da merkt man erst die Liebe, die Treue, das Mitleid und die Barmherzigkeit Gottes, des Allmächtigen, durch seinen lieben Sohn Jesus. Und so habe ich, bevor ich rausgekommen bin aus dem Gefängnis, zu Gott gesagt: Herr, wenn Du mich hier rausführst, dann geh mit Deiner Gegenwart mit mir.“
Und wenn Deine Gegenwart nicht mitgeht, dann lass mich lieber hier drin bleiben.
Er konnte das Gefängnis verlassen. In seinem Bericht an unser ETE-Büro in Lima erzählt er weiter: „Ich habe Gott versprochen: Ich werde Dir dienen in dieser Aufgabe, nämlich die Gefängnisse zu besuchen. Und jetzt – dank der Barmherzigkeit Jesu – gehe ich in die Gefängnisse. Alles zur Ehre Gottes.“
In vielen Gefängnissen sind kleine Gemeinden entstanden, ein Licht in der Dunkelheit. Da wird Gottesdienst gefeiert, die Bibel gelesen und gemeinsam studiert, oft mithilfe der Materialien, die wir als „ETE Peru“ den Gemeinden zur Verfügung stellen. So wird Leben mitgeteilt. Wie können wir den gefangenen Geschwistern und Menschen wie Antonio unter die Arme greifen, die —von Gottes Liebe gepackt — helfen wollen, wo und wie es nur geht?
Weil wir offiziell nur mit Gemeinden vor Ort zusammenarbeiten, die selbst Projekte haben, um in Gefängnisse zu gehen, und nicht mit Einzelpersonen wie Antonio, waren uns „offiziell“ die Hände gebunden – bis unser Verein einen offiziellen Beschluss gefasst hat. Das ist frustrierend, besonders angesichts dessen, dass die Gemeinden vor Ort diese Not, wie Antonio sie sieht, oft nicht wahrnehmen und eben nicht in die Gefängnisse gehen.
Mein Gebet ist, dass wir als ETE eine Möglichkeit finden, mit Gemeinden vor Ort im Gefängnisdienst zu kooperieren, und dafür ein wesentlich weiteres Herz bekommen, sodass wir der Missio Dei, der Mission Gottes, nicht im Weg stehen. Natürlich werden wir weiterhin Gemeinden außerhalb der Gefängnisse ermutigen, solche Aufgaben logistisch, finanziell und personell wahrzunehmen; aber manchmal, davon bin ich überzeugt, muss man aus der Situation heraus neue Wege wagen. Denn es ist wahrlich so: Die Mission hat eine Gemeinde, überall.
Gottes Licht, das an Weihnachten neu in die dunkle Welt strahlte, tut dies auch heute noch; und Menschen wie Antonio tragen es in die dunkelsten Orte, hinein in Umstände, die wir uns nur schwer vorstellen können. Gott sei Dank für Menschen wie Antonio!
Gebetsanliegen
- Dienst vor Ort: um Weisheit für uns als Verantwortliche von ETE, Gottes Mission in Seinem Sinne zu fördern
- Dienst in Deutschland: um Kraft und Bewahrung für unseren anstehenden Heimataufenthalt
