Weitergehen, auch wenn es nicht vorwärtsgeht

Ich schreibe diese Zeilen Anfang Januar, 2021 hat gerade begonnen. Während wir letztes Jahr um diese Zeit fleißig Pläne gemacht haben, sind wir nun ein bisschen unsicher, wie wir dieses Jahr angehen sollen: Macht es Sinn, einen Termin für ein Sommerfest festzulegen? Können wir Aktionen mit den Teenagern planen?

Die Coronazeit hat vieles durcheinandergebracht: Keine regelmäßigen Gottesdienste mehr, eingeschränkte Kontakte, man weiß nicht, wie man Leuten begegnen soll. Wenn ich jemanden auf der Straße sehe, sage ich freundlich Hallo – oder ziehe ich lieber schnell die Maske über und mache einen Bogen um die Person?

Unser Laden als Treffpunkt

Der Standort unseres Second-Hand-Ladens mitten in einem Wohngebiet, entfernt von anderen Geschäften, bedeutete noch vor einem Jahr, dass nur wenige Leute von uns wussten. Doch in den letzten Monaten, in denen die großen Geschäfte gemieden werden sollten und die Leute hauptsächlich im eigenen Viertel blieben, entdeckten immer mehr Frauen aus der Umgebung unseren kleinen Laden. Ich weiß von einigen, dass sie noch in Kurzarbeit sind oder ihre Jobs verloren haben. Und so ist unser Laden nicht nur eine materielle Hilfe, sondern die Frauen kommen immer öfter auch deshalb zu uns, weil sie einfach mal ein anderes Gesicht sehen und ein paar Worte mit uns wechseln wollen.

Verlorene Möglichkeiten?

So haben wir in den letzten Monaten schon einige neue Freundinnen gewonnen. Jetzt wäre die perfekte Zeit, um ein paar Aktionen zu planen. Ein Frauenkaffee vielleicht? Einen Nähkurs? Oder einen kleinen Hauskreis? Doch gerade solche Aktivitäten können (und dürfen) wir jetzt nicht anfangen. Es ist frustrierend, die Möglichkeiten zu sehen, aber nicht vorwärtsgehen zu können!

Das zeigt mir wieder einmal, dass Gott wohl wirklich andere Wege hat als ich, denn ich weiß, dass Er dieser Situation nicht machtlos gegenübersteht. Ich bin gespannt zu sehen, was Er aus diesen „verlorenen Möglichkeiten“ machen wird. Eines ist sicher: Er wird meine Erwartungen mal wieder übertreffen.

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