Wegziehen ist einfacher
„Warum bist du damals von deinem Haus und deinem Feld weggezogen?“, fragte ich den alten Carlos* vom indigenen Stamm der Mbyá mit seiner Frau, bei denen wir die Bibelstunde nun halten. Seine Antwort überraschte mich: Die jüngeren Verwandten hatten ihm von beiden Seiten sein Feld beschnitten (verkleinert) und er wurde immer empörter darüber, sodass seine Frau ihm riet wegzuziehen, bevor es zu einem heftigen Zusammenstoß kommen würde. Ein Umzug heißt für einen Mbyá, wieder bei null anzufangen.
Über Probleme zu reden, entspricht nicht unbedingt Mbyá-Art. Man zieht lieber weg, um Schlimmeres zu verhindern.
Vergeben kann schwer sein
In der Bibelstunde sprechen wir oft über das Thema „Vergebung“, doch dann kommt meist nur ein „Das ist schwer“. Einer der Verwandten von Carlos nimmt auch an der Bibelstunde teil. Er spielt immer wieder auf die Alkoholsucht von Carlos an, was dessen Wunden natürlich jedes Mal vertieft; über seine eigenen Probleme oder Fehler spricht er hingegen nicht.
Buße braucht den Heiligen Geist
Immer wieder muss ich mich sehr bremsen, um nicht einmal klaren Tisch zu machen. Doch auch Buße muss vom Heiligen Geist gewirkt sein. Unsere direkte deutsche Art ist in Südamerika völlig fehl am Platz. Aus eigener Erfahrung und auch von so manch anderen Menschen, die ich bis jetzt begleiten durfte, lernte ich, auf die Stunde Gottes zu warten. Umkehr muss der Heilige Geist bewirken.
Vom Wort Gottes her weiß Carlos, was zu tun ist und dass er sich selbst schadet. Wollen wir beten, dass er den Schritt tun kann, um von dieser Verbitterung frei zu werden. Er war einer der ersten Ältesten einer Mbyá-Gemeinde und hatte sehr gute Botschaften, doch dann kamen Turbulenzen in sein Leben.
Beten wir um Gnade für den erneuten Durchbruch; sie kann auch den Sieg über die Alkoholsucht bringen.
