Was ist, wenn die Not zu groß ist?
Edwin und ich erbitten uns immer wieder Hilfe von Gott bei all dem Leid, das uns begegnet.
Hier in Kenia ist es ganz normal, dass Menschen, die mehr haben, anderen in Not helfen. Man lebt hier nicht als Individualist, sondern als Gemeinschaft. Man hilft, wo man kann.
Da man aber nicht allen helfen kann, besteht immer wieder die Herausforderung, wer was bekommen soll und wie viel.
In unserer Gegend leben die meisten von der Landwirtschaft. Nach der Ernte hat jeder genug zu essen. Das Problem ist, dass fast alle nur Bohnen und Mais anpflanzen, das ist ihr Hauptnahrungsmittel. Diese Monokultur laugt den Boden aus, was sich negativ auf die Ernte auswirkt. Deshalb wird viel Dünger verwendet, was sich aber nicht jeder leisten kann, und deshalb ernten sie zu wenig. Auch wenn man in unserer Gegend zweimal im Jahr ernten kann, gibt es immer wieder Zeiten, in denen das Essen knapp wird und manche gar nichts mehr haben. In dieser Situation klopfen viele Menschen an unsere Tür und bitten um Essen. Wer hätte da nicht Mitleid, um etwas zu geben?
Gerne unterstützen wir auch einige mit Schulgeld, umso mehr, als ich, Susanne, das Vorrecht hatte, in einem Land aufzuwachsen, in dem kein Schulgeld bezahlt werden muss und sogar Schulpflicht besteht. Es tut uns leid, dass viele wegen fehlendem Schulgeld nicht in die Schule gehen können, obwohl sie es so gerne täten.
Der Unterschied zwischen Reich und Arm wird auch immer größer, so dass die eigenen Landsleute Mitleid haben mit Familien, die auf nacktem Lehmboden schlafen müssen und kaum etwas haben. Viele Kenianer, die in der Stadt aufgewachsen sind, wissen nicht einmal, dass viele in den Dörfern noch ohne Strom und fließendes Wasser sind und mit Feuerholz kochen müssen – wie es bei den meisten in unserer Gegend der Fall ist.
