Was hat sie gebissen?

Bei der Visite berichtet die Patientin, vor fünf Tagen am Abend habe sie nach dem Anziehen einer Hose, die tagsüber in der Lehmhütte über einem Stuhl hing, einen stechenden Schmerz an der linken Oberschenkel-Innenseite bemerkt. Da sie es aber gerade eilig gehabt habe, hätte sie es zunächst ignoriert. In den folgenden Tagen habe sich dann die schwarze Haut gebildet. Die klinische Untersuchung zeigt das typische Bild nach einem Spinnenbiss durch die „Casera“ …

Viele Menschen haben Angst vor Spinnen und die Gelehrten streiten sich darüber, ob diese Angst angeboren ist oder von den Eltern erlernt wurde. Ob es die acht Beine sind oder die schnellen und oft nicht vorhersehbaren Bewegungen – man kann es nicht genau sagen. Und dann ist da noch die Angst vor dem Gift der Spinnen.

In Deutschland ist diese Sorge unbegründet, da es in Deutschland kaum Spinnen gibt, die mit ihren Beißwerkzeugen die menschliche Haut durchdringen können – und die, die es theoretisch könnten, haben ein für den Menschen nur sehr schwaches Gift und können maximal die Beschwerden eines Insektenstiches auslösen.

Jackenärmel oder Hosenbeine: Immer ausschütteln, bevor man hineinschlüpft!

Wie ist es denn hier bei uns in Peru?

Der Klassiker ist die Schwarze Witwe – der Biss mit ihrem Nervengift ist theoretisch für einen Erwachsenen tödlich; aber mittlerweile gibt es ein Gegengift, so sind Todesfälle weltweit selten geworden. Zudem beißt die Schwarze Witwe nur, wenn sie gestört, bedrängt oder angegriffen wird. Bissunfälle ereignen sich hier hauptsächlich bei Feldarbeiten, doch in den sieben Jahren, die wir am Hospital Diospi Suyana in den Anden Perus arbeiten, musste noch kein Biss einer Schwarzen Witwe stationär behandelt werden.

Doch den Biss einer anderen Spinne mussten wir schon häufiger stationär bei uns im Hospital behandeln, den der Braunen Einsiedlerspinne, auch Braune Spinne oder Chilenische Winkelspinne genannt, mit wissenschaftlichem Namen Loxosceles laeta. Hier bei uns in Peru wird sie einfach „Casera“ = Hausspinne genannt; sie ist eine Jagdspinne und man trifft sie häufig im Haus in Winkeln und hinter Schränken. Auch sie beißt nur, wenn sie gestört, bedrängt oder angegriffen wird; da sie aber häufig in Häusern zugange ist, klettert sie auch mal gerne in Jackenärmel oder Hosenbeine. Also immer ausschütteln, bevor man hineinschlüpft! Je nachdem, wie lange die „Casera“ gefastet hat, bleibt es bei einem kurzen Schmerz mit kaum sichtbarem Biss in der Haut, doch bei reichlich vorhandenem Gift kann es zu großflächigen Hautnekrosen kommen mit unterschiedlichem Verlauf; manchmal ist eine chirurgische Intervention nonnöten.

Im Falle unserer Quechua-Patientin kam es unter Medikamenten-Therapie zu einer Heilung, ohne dass eine OP notwendig wurde; aber es ist eine Narbe zurückgeblieben.

In unserem eigenen Haus in Peru gilt: „Caseras“ sind bei uns nicht willkommen!

Gebetsanliegen

  • Dank für Bewahrung im Dienst (auch vor Spinnenbissen!)
  • Bitte um Zahnärzte & Zahntechniker für das Hospital Diospi Suyana
  • Bitte um Anästhesisten für das Hospital Diospi Suyana
Dr. Thomas und Hannas Arbeit unterstützen

Hinweis: Die Beiträge von Missionaren sind persönliche Zeilen und geben nicht notwendigerweise die Meinung der VDM wieder.

Dr. Thomas und Hannas Blog

Hier gibt es noch mehr Beiträge und Geschichten von den Missionaren und ihrer Arbeit im Einsatzland zum Weiterlesen.

Icon
unterwegs | Ausgabe 2/2025
In Curahuasi begegnen sich Menschen, die sonst kaum gesehen werden: eine alte Quechua-Dame, ein Junge mit Autismus, ein Vater voller Hoffnung.  Hier zeigt sich Gottes Herz für die Vergessenen.
Icon
unterwegs | November 2024
Seit sechseinhalb Jahren leben wir als Missionsärzte mit unseren beiden Töchtern in den Anden Perus. Nun kommen Marta und Dina selbst zu Wort und erzählen, wie es ist, in zwei Kulturen aufzuwachsen, zwischen den peruanischen Anden und ihren deutschen Wurzeln. Erfahrt mehr über ihren Alltag, ihre Freunde und ihre besonderen Erlebnisse in Peru.
Icon
unterwegs | Mai 2024
Seit sechs Jahren leben und arbeiten wir als Missionsärzte mit unseren zwei Töchtern in den Anden Perus. Die Entscheidung, nach Peru zu gehen, ist nicht ohne Konsequenzen geblieben.