„Vorbildlicher“ Missionar?

Es gibt in der afrikanischen Diözese von Morogoro (Tansania) die Sitte, dass der Missionar beim endgültigen Verlassen seines Einsatzortes die tansanischen Arbeitskollegen und Nachbarn um Vergebung bittet, vor allem für die Vorfälle, die einem selbst nicht bewusst geworden sind, die Menschen vor Ort aber schmerzen. So etwas kommt zwischen unterschiedlichen Kulturen ja immer wieder vor – mal ganz abgesehen von bewusst falschen Taten.

Was können wir uns als Deutsche aufregen, wenn sich Menschen aus anderen Ländern in unserer Heimat nicht so „benehmen“, wie wir es erwarten würden! Allerdings passiert gerade uns Missionaren so etwas im Ausland, wo wir „Gäste“ sind, auch recht häufig. Dabei möchte ich als Missionar, also als von Gott gesandter Bote, doch möglichst positiv und nicht negativ auffallen!

Abgelehnte Mitfahrt als Zumutung

Mir kommt da eine Situation in den Sinn, die Jahrzehnte zurückliegt, in der ich einige Dorfbewohner aus Berega vor den Kopf stieß, als ich nach einem anstrengenden Einkaufstag in der Stadt Morogoro mit vollgepacktem Auto vor der Rückfahrt stand. An der letzten Anlaufstelle warteten sie, um eine Rückfahrgelegenheit ins Dorf zu erbitten. Das erschien ihnen selbstverständlich. Man ist nie allein. Für mich war die Vorstellung ungeplanter Mitfahrer aber nicht so verlockend – und ich wurde ausfällig.

Im Nachhinein war mir klar, dass ich falsch gehandelt hatte; mein Gefühl hatte sich damals noch nicht ausreichend eingewöhnt. Da half später nur eine Entschuldigung,
die allerdings nicht gleich akzeptiert wurde. Zu groß war die Zumutung gewesen, die Wartenden die 110 Kilometer lange Rückreise in einem öffentlichen Verkehrsmittel antreten zu lassen.

Nachsicht auf beiden Seiten

Auf der anderen Seite war es für uns ein Lernprozess, mit tansanischen Eigenheiten umzugehen. Als bei dem Besuch einer Familie das Kind ein Dekoteil aus unserem Wohnzimmerschrank nahm und einsteckte, wollte der Vater, der meinen entsetzten Blick sah, die Situation retten: Er ermahnte seinen Sohn, er solle doch um den Gegenstand bitten. Es wurde von mir erwartet, dass ich zustimme. Dass ich mich heute noch daran erinnere, zeigt, wie schwer ich mich damit tat.

Bitte betet mit uns um ein gutes Miteinander und gegenseitige Vergebungsbereitschaft.

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