Von der Dunkelheit ins Licht
Ich möchte euch mit hineinnehmen in einen Bereich meines Lebens, der mich zutiefst bewegt: die Arbeit in der Rehabilitation von Menschen, die sich in physische und psychische Abhängigkeiten verstrickt haben. Seit 2020 arbeite ich in der Stiftung „Renuevo“ am Standort Canaan in Santa Cruz, genau dort, wo vor über 30 Jahren die Missionsarbeit begann – damals noch als CIMF bekannt. Es ist bewegend zu sehen, wie sich der Kreis an diesem Ort wieder schließt.
Hier leben Männer ganz unterschiedlichen Hintergründen in einer Lebensgemeinschaft zusammen. Gemeinsam teilen sie ihren Alltag und kämpfen sich durch den schweren, aber lohnenden Weg aus der Sucht. Grundlage der Therapie ist nicht nur ein methodischer Ansatz; sie besteht vor allem darin, Jesus Christus als Retter kennenzulernen und nach den segensreichen Prinzipien aus dem Wort Gottes zu leben.
Der Tagesablauf ist klar strukturiert: Bibelstudium, Hausarbeit, Beschäftigungs- und Arbeitstherapie. Was mich besonders berührt: Es gibt keine Diskussion darüber, ob das Wort Gottes Wahrheit ist – es wird angenommen, geglaubt, gelebt. Die Männer sind offen für Gottes Reden, sie sehnen sich nach Freiheit, nach Sinn, nach einem Neuanfang. Ihre Geschichten sind unterschiedlich; aber die Dunkelheit, aus der sie kommen, ist oft die gleiche: kaputte Beziehungen, zerstörte Identität, verlorene Hoffnung.
Ich denke an die Worte Jesu aus Johannes 8,12: „Ich bin das Licht für die Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Dunkelheit umherirren, sondern er hat das Licht, das ihn zum Leben führt.“
Diese Aussage trifft mitten ins Herz dessen, was ich hier erlebe.
„Ich aber bin gekommen, um ihnen das Leben zu geben, Leben im Überfluss“ - Jesus
Die Männer, mit denen ich arbeite, haben oft lange Jahre in tiefster Finsternis gelebt – in der Sklaverei von Sucht, Schuld und Verzweiflung. Und doch: Wenn sie Jesus begegnen, geschieht Veränderung. Nicht von heute auf morgen, nicht ohne Kämpfe, aber doch spürbar, Schritt für Schritt.
Viele der Teilnehmer waren in ihrer Kindheit oder Jugend bereits einmal mit dem Glauben in Berührung gekommen; sie waren vielleicht in einer Gemeinde oder haben in Kinderstunden von Jesus gehört. Doch das Leben hat sie mitgerissen – die Versuchungen, die menschliche Natur, das Verlangen nach Erfüllung und die Suche auf falschen Wegen. Die Rückkehr zu Gott beginnt oft mit dem Zerbruch und dem Eingeständnis: Ich kann nicht mehr. Ich brauche Hilfe. Ich brauche Vergebung.
Genau hier fängt Hoffnung an zu wachsen: Sie empfangen Zuspruch, erleben Gnade, fassen neuen Mut. Doch wie jeder weiß, der selbst mit Abhängigkeiten zu kämpfen hatte, oder Menschen kennt, die davon betroffen sind: Der Weg ist lang. Die Entscheidung für ein neues Leben geschieht im Herzen; aber der Körper, die Gewohnheiten, die alten Muster lassen sich nicht einfach abschalten. Es braucht Zeit, es braucht Geduld; und es braucht viel Gnade – von Gott und von uns Menschen.
Nicht alle halten durch, so mancher wirft das Handtuch. Die Versuchung ist groß, die Rückfälle sind real. Es bricht mir manchmal das Herz, wenn ich sehe, wie jemand scheinbar fest gegründet zu sein schien und dann doch zurückfällt. Aber dann erinnere mich an Römer 3,3, wo Paulus schreibt:
„Was ist aber, wenn einige untreu wurden? Wird etwa ihre Untreue die Treue Gottes aufheben?“
Nein! Gottes Treue bleibt, auch wenn wir scheitern. Seine Zusagen stehen – gerade dann, wenn wir am Ende sind. Diese Wahrheit trage ich in mir, wenn ich die Männer begleite, tröste, ermutige. Und ich lerne selbst dabei, was Geduld, Hoffnung und echte Liebe bedeuten.
Ein besonderer Bereich meiner Arbeit hier ist die Gestaltung der Beschäftigungstherapie. Ich habe ein Hydroponik-System aufgebaut – eine Salatproduktion in Wasserrohren mit einem 170m² großen Gewächshaus. Dieses Projekt dient nicht nur der Selbstversorgung, sondern ist auch ein wichtiger Bestandteil der Arbeitstherapie: Die Männer lernen, Verantwortung zu übernehmen, mit ihren Händen zu arbeiten, und sie sehen etwas wachsen – wortwörtlich und im übertragenen Sinn.
In diesen Momenten, beim gemeinsamen Arbeiten, ergeben sich viele Gespräche. Das sind keine Therapiegespräche im klassischen Sinn; aber genau dort findet Seelsorge statt: Wenn Vertrauen wächst, wenn Wunden sichtbar werden, wenn Tränen fließen, dann darf ich mit den Männern gemeinsam ans Kreuz gehen. Ich erinnere sie daran: Es gibt einen, der nicht aufhört zu lieben. Der keinen aufgibt. Der dich nicht verlässt.
Was mich dabei immer wieder fasziniert, sind die Zeugnisse und die echte, durchschlagende Kraft der Liebe Gottes: Männer erzählen, dass sie das erste Mal seit Jahren wieder Frieden empfinden. Dass sie vergeben konnten – sich selbst und anderen. Dass sie wieder hoffen. Dass sie zum ersten Mal wirklich leben.
Natürlich ist nicht jeder Tag voller Wunder; manchmal ist es mühsam, schwer, zäh. Und, ja, es ist auch enttäuschend, wenn manche nach der Reha-Zeit in ihre alten Muster zurückfallen. Manche reden während ihrer Zeit hier wie ein Prediger; doch kaum sind sie wieder draußen, zerbricht alles. Aber ich habe gelernt, nicht vorschnell zu urteilen. Ich weiß jetzt: Das Evangelium ist keine Einmal-Sache. Es ist ein Prozess, ein täglicher Weg; und jeder Mensch braucht seine Zeit. Ich versuche, an dem Tag, an dem jemand fällt, nicht zu verzweifeln, sondern daran zu glauben, dass Gottes Geschichte mit ihm weitergeht.
Ich bin dankbar, ein kleiner Teil dieser Arbeit sein zu dürfen. Nicht weil ich stark wäre oder besonders befähigt, sondern weil Gott treu ist. Weil er nicht aufhört, Menschen aus der Finsternis ins Licht zu rufen. Und weil ich mit eigenen Augen sehe, dass Veränderung möglich ist – durch die Kraft des Evangeliums.
Bitte betet weiter für die Männer hier auf Canaan: um Ausdauer, echte Umkehr, tiefe Heilung – und dass Gottes Licht ihr ganzes Leben durchdringt.
Gebetsanliegen
- um Ausdauer
- echte Umkehr
- tiefe Heilung
- dass Gottes Licht ihr ganzes Leben durchdringt
