Von Chile geträumt, nach Frankreich geführt
Wir sind nun schon seit 23 Jahren in Frankreich. Dass wir in diesem Land sind, ist ein gutes Beispiel dafür, wie Wege sich ändern können. Myriam und ich hatten uns 1997 bei der VDM beworben, um nach Chile auszureisen. Zu diesem Zeitpunkt waren Myriam und ich unabhängig voneinander bereits im Missionsdienst tätig gewesen; dahin wollten wir wieder zurück. Der damalige Missionsleiter sah das nicht ganz so wie wir und schlug uns stattdessen vor, darüber nachzudenken, nach Frankreich auszureisen, um Gott dort zu dienen.
Entscheidung zwischen Exotik und Vernunft
Ich muss zugeben, dass ich Jahre gebraucht habe, um diese Richtung als Gottes Leiten anzunehmen. Für Myriam, die ja französische und Schweizer Wurzeln hat, war das kein Problem. Jahrelang prägten Träume von Chile meine Nächte. Südamerika war für mich anfangs notwendig, um „selbstständig“ zu werden. Ich brauchte diese große Entfernung nach
Deutschland. Was mich an Südamerika jedoch besonders angezogen hat, war eine Wärme der Kultur und auch ein Hauch von Exotik, der mir Wertschätzung gab. Missionar in Südamerika zu sein – das klang so cool für mich.
Nach Frankreich zu gehen, war für uns eine Vernunftentscheidung. Was mich damals überzeugt hat, den Dienst anzutreten, waren vor allem die Zahlen der Gemeinden und Gläubigen in Frankreich. Nach all den Jahren hier kann ich klar sagen: Die Richtungsänderung war gut und richtig, auch wenn vieles sehr schwierig war und einige Eigenheiten der Kultur mir
immer noch zu schaffen machen. Natürlich ist in Frankreich nichts exotisch, und Missionsarbeit in einem deutschen Nachbarland zu tun, klingt auch nicht besonders.
Menschen begleiten, Geduld lernen
Trotzdem kann ich heute voller Dankbarkeit sagen, dass Gott uns klar geführt hat. Unser Dienst und seine besondere Ausdrucksweise geben uns Unmengen an Möglichkeiten, Zeugnis zu sein, Einfluss zu nehmen und Menschen zu begleiten. Manche von ihnen haben Christus gefunden, andere noch nicht. Mit Gottes Hilfe lerne ich nach wie vor Geduld und ständiges Anpassungsvermögen. Und für den Rest darf ich auch heute noch einüben, mich jeden Tag neu auf Ihn zu verlassen.
