Von Begegnungen leben

Eine ernstere Begegnung ergab sich im Fach Evangelisation. Ein Schüler fragte plötzlich ganz aufgebracht: „Wie ist das gemeint, wenn die Bibel sagt, dass der Baum, welcher keine Früchte trägt, abgehauen wird?“ Ich merkte anhand seines besorgten Gesichtsausdrucks und seiner bedrückten Stimme, dass er sich selbst unter Druck setzt und bei sich vielleicht keine Früchte erkennt. Obwohl dies gar nicht Thema der Stunde war, ging ich gern darauf ein und war so dankbar für Gottes Leitung. Anhand des Weinstock-Bildes und dem Vers aus Joh. 15,5: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“, konnte ich verständlich machen, dass es auf die Beziehung zu Christus ankommt, die Verbundenheit mit ihm und nicht um ein krampfhaftes „Ich muss Frucht bringen“. Die Frucht entsteht durch die Gemeinschaft mit Jesus. Die Erleichterung in seinem Gesicht war im ganzen Raum spürbar.

Begegnungen als ein Geschenk annehmen, sich dadurch verändern lassen, anderer Leben bereichern und nie das Schmunzeln vergessen.

Als ich wieder mal beim Mittagessen mit den Schülern zusammensitze, sprach mich eine Schülerin über den Tisch hinweg an: „Hermana (Schwester), dürfen wir als Frauen mit einem Menschen das „Übergabegebet“ machen, wenn die Person sich bekehren möchte?“ Erstaunt über so eine Frage, antworte ich ihr klar mit „Ja“ und führe noch ein wenig aus. Doch als der Direktor sich an den Tisch setzt, werden die Mädchen verlegen. Ob er ihnen so etwas beigebracht hat, weiß ich nicht. „Könnt ihr die Person denn einfach stehen lassen und sagen: „Moment mal, ich muss erst meinen Pastor holen?“ – da lachte sogar der Rektor der Schule.
 
Begegnungen bereichern, auch wenn sie manchmal unscheinbar sind. So ergab sich ein kurzes Gespräch mit der Frau am Aufbewahrungsschalter des Supermarktes. Sie stand dort mit Krücken und traurigem Gesicht. Da versuchte ich sie etwas aufzumuntern und wünschte ihr gute Besserung. Da lachte sie. Beim nächsten Mal freute sie sich gleich, mich zu sehen.
 
Ein Buch könnte entstehen von all den interessanten Begegnungen mit Taxifahrern. Um sicherzugehen, dass ich auch wirklich gläubig bin, stellte mir doch neulich ein Taxifahrer folgende Fragen: „Glauben Sie, dass Jesus auferstanden ist? Glauben Sie, dass Jesus wiederkommen wird? Glauben Sie, dass die Hölle existiert? ...“ Da antwortete ich ihm: „Ja“. Daraufhin strahlte er und zog daraus die Schlussfolgerung: „Dann sind Sie wirklich ein echter Christ.“ Ich musste einerseits wirklich schmunzeln, aber andererseits zugeben, dass so ein „Test“ sinnvoll sein kann, da so viele sagen „Ich glaube“. Aber an was?
 
Das beste Beispiel dafür ist ein anderer Taxifahrer, der mir erzählte, dass er früher in einer Gemeinde in Brasilien war und danach hier in einer Adventistengemeinde. Er kommentierte: „Aber sie nehmen alles für wahr, was in der Bibel steht. Für mich ist die Geschichte mit Adam und Eva ein Märchen. Ich glaube mittlerweile, dass die Welt durch Außerirdische geschaffen wurde, nämlich den Anunnaki (Mensch-Reptil-Hybriden.“ Was man alles glauben kann?
 
Aber selbst meine Bibelschüler kommen manchmal auf Dinge, die mich zum Schmunzeln bringen. Bei einem Test stellte ich u.a. die Frage „Welche Sinne benutzt man bei einem stillen Gebet?“ (Fach Pädagogik) Da kamen Antworten wie: Taktgefühl, wenn wir die Hände falten; das Gehirn und das Herz, um Gefühle auszudrücken; Taktgefühl: wenn es mir beim Beten kalt ist, decke ich mich zu; sehen und hören, denn es öffnet sich das geistliche Ohr; das Ohr, wenn man Amen sagt.
 
Begegnungen als ein Geschenk annehmen, sich dadurch verändern lassen, anderer Leben bereichern und nie das Schmunzeln vergessen.
 
  • Gottes Leitung beim Vorbereiten, Unterrichten und Korrigieren
  • Kreativität auf spontane Fragen zu antworten
  • Feingefühl bei Begegnungen mit Taxifahrern
  • Bibelschüler im Glauben wachsen, motiviert sind im Studium und ein Segen in ihren Dorfgemeinden sein dürfen
  • Weiterhin Offenheit und Lachen im Unterricht
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Hinweis: Die Beiträge von Missionaren sind persönliche Zeilen und geben nicht notwendigerweise die Meinung der VDM wieder.

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