Vermisste Geschwister
Überraschend ruft M. an. Wir haben schon monatelang nichts mehr von ihm gehört. Vor fünf Jahren gaben wir ihm und anderen Taufunterricht. Bald danach wurde das Ehepaar an einen anderen Ort umgesiedelt. Ich vermittelte ihn an die Gemeinde vor Ort und unser Kontakt wurde spärlicher.
Es wirkt aufgelöst. Er sei einer Flüchtlingsunterkunft an einem neuen Ort zugewiesen worden. Er kann seinen Job von dort aus nicht mehr wahrnehmen. Ich rate ihm, mit dem zuständigen Sozialarbeiter vor Ort zu sprechen, und schreibe Empfehlungen für Gemeinden in der hessischen Kleinstadt.
Ein paar Tage später ruft mich ein Sozialarbeiter an. Schon wieder ein neuer Ort. M. habe versucht, sich etwas anzutun. Er sei jetzt in einer Klinik.
Wir können uns die Hintergründe zusammenreimen. Sein Asylantrag war abgelehnt und seine Klage abgewiesen worden. Seine Frau hat ihn verlassen. Er hat seinen Kummer in Alkohol und Drogen ertränkt. Teilweise lebte er auf der Straße. Er schwankt zwischen Depression und Euphorie.
Immer wieder hatte er sich in Krisensituationen gemeldet und uns auch über große Distanz besucht. Eine Zeit lang war er wieder stabil. Kürzlich meldet er sich dann erneut in einer depressiven Phase. Ich bete mit ihm und nehme ihm das Versprechen ab, sich heute nicht zu töten.
Ich nehme ihm das Versprechen ab, sich heute nicht zu töten
Interviews mit weggebliebenen Getauften
Eine meiner (Christofs) Studentinnen hat erste Untersuchungen mit Farsi sprechende Neuchristen unternommen, die von ihren Gemeinden seit über sechs Monaten vermisst werden. Sie fand heraus, dass eine Vielfalt von Ursachen im Hintergrund stehen. Ortwechsel und Mobilitätsgrenzen, veränderte Lebensumstände nach Integration, Lebenskrisen, kulturell gegensätzliche Kommunikationsstile, und vieles mehr.
Ich bin dankbar solche Studenten bei ihren Master- und Doktorarbeiten begleiten zu können, die einen praktischen Nutzen für die Gemeindearbeit haben.
Gebetsanliegen
- Stabilität von Konvertiten
- Gelingende Begleitung von forschenden Studenten
