Vergebung – eine Entscheidung, die verändert
Vergebung ist notwendig, um in intakten Beziehungen zu den Menschen um uns herum und zu Gott zu leben. Im Vaterunser beten wir unter anderem: „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ (Mt 6,12)
Wo wir Vergebung nicht aussprechen und auch nicht erhalten, wird eine Beziehung über kurz oder lang gestört, denn Fakt ist, dass wir uns alle immer wieder falsch verhalten
und uns etwas zu Schulden kommen lassen. In der Theorie also einleuchtend und gesund, aber in der Praxis oft gar nicht leicht.
Zwei Begebenheiten aus dem Alltag
Ein Schwenk in unser Viertel: Es ist Freitagnachmittag, der Kinderclub ist zu Ende gegangen und wir bereiten den Filmabend mit „The Chosen“ für die größeren Kinder und Erwachsenen unseres Viertels vor. Gegen 18 Uhr wird es dunkel und man kann draußen den Film mittels Beamer an eine weiße Wand werfen. Ein etwa fünfjähriges Mädchen hat sich unter die anderen Zuschauer geschlichen. Hanna gesellt sich zu ihr: „Musst Du nicht schon längst zu Hause sein? Es ist doch dunkel.“ „Meine Mama ist eh nicht zu Hause und wahrscheinlich betrunken“, lautet die Antwort der Fünfjährigen. Wie sieht Vergebung in ihrem Leben aus?
Und wie schwer fällt es im Alltag, Fehlverhalten einzusehen und um Vergebung zu bitten?! Ein peruanischer Angestellter entgleiste derart verbal gegen einen Kollegen, dass dies sogar arbeitsrechtliche Konsequenzen nach sich zog. Der schwierigste Punkt in den „Schlichtungsgesprächen“: das Fehlverhalten erst einmal einzusehen und dann, nochmal deutlich schwerer, auch um Vergebung zu bitten.
Wir können uns da an die eigene Nase fassen. Vergebung ist kein Selbstläufer, sondern jedes Mal eine Entscheidung wert.
