Vergeben oder Verzweifeln
Für mich als Deutsche hat es den Anschein, als könnten Kenianer oft schneller vergeben: Wenn sie an einer unguten Situation nichts ändern können, nehmen sie diese eben so hin. Gerade hier beim Stamm der Kalenjin kämpfen nur wenige um ihr Recht; aus Deutschland kenne ich es, dass wir darauf mehr pochen. Doch auch hier gibt es Menschen, die nicht vergeben können oder wollen und alles in sich hineinfressen. Magengeschwüre können die Folge sein.
Wut besiegen
Auch für mich war es ein Lernprozess: Es gab manche, die wir unterstützten, aber sie haben unsere Unterstützung meinem Empfinden nach nicht wertgeschätzt, sondern später sogar schlecht über uns geredet. Da kam in mir oft die Wut hoch, wenn ich sie auch nur von Weitem sah. Doch mit Gottes Hilfe durften sich meine Gefühle ihnen gegenüber verändern, sodass ich sie heute in Liebe ansehen kann.
Verletzung aussprechen
Edwin ist Kenianer und hatte mit seinem Vater ein tiefgehendes Problem: Anfangs war er ein guter Familienvater gewesen, doch als Edwins Mutter sehr krank wurde, wollte der Vater die Verantwortung nicht übernehmen und blieb oft längere Zeit weg. Keiner wusste, was er machte und ob und wann er wiederkommen würde. Deshalb musste der Erstgeborene für die Familie sorgen, und das war Edwin. In der Zwischenzeit ist Edwins Mutter verstorben; sein Vater hat neu geheiratet und sie haben weitere Kinder bekommen. Edwin konnte seinem Vater zwar offen sagen, dass ihn sein Weglaufen sehr verletzt hatte; aber mit einer Entschuldigung konnte er nicht rechnen. Hier in dieser Kultur ist es unüblich, sich als Vater zu entschuldigen oder sein eigenes Verhalten rechtfertigen zu müssen. Andererseits hat man großen Respekt vor den Eltern, vor allem vor dem Vater. So möchten wir Edwins Vater ehren und unterstützen, obwohl wir sein damaliges Verhalten nicht gutheißen. Und Gott sei Dank konnte Edwin ihm auch vergeben!
