Umweg über Brasilien nach Paraguay
Im Jahr 1987 bewarb ich mich bei der Deutschen Indianer-Pionier-Mission (DIPM), weil eine junge Frau die offene Stelle in Paraguay nicht besetzen wollte. Für mich war es der Auslöser, mein schon lange Gott gegebenes Einverständnis, in die Mission zu gehen, in die Tat umzusetzen. Es war spannend, da ich mich den Anforderungen nicht wirklich gewachsen fühlte. Doch dann ging es sehr zügig: Ostern 1987 war das Vorstellungsgespräch und im August begann die Kandidatenzeit auf dem Missionsberg. In Brasilien fehlten Missionare und so kam es zur Ausreise nach Brasilien.
Umwege haben Gründe
Als Ledige ohne Partner war es für die DIPM etwas schwierig, mir einen festen Arbeitsplatz zu geben. Ich empfand die Zeit als sehr schwer, doch die Erfahrungen mit den einzelnen Indianerstämmen sind mir heute sehr wertvoll. Der Umweg hatte allerdings noch einen weiteren Grund: 1998 lernte ich Moisés Moreno kennen, meinen jetzigen Ehemann; er war in Vorbereitung zum Missionsdienst unter Indianern. Mit unserer Heirat endete das Arbeitsverhältnis bei der DIPM.
Umwege machen Sehnsucht nach dem eigentlichen Ziel
In Südbrasilien bekamen wir bei der Gnadauer Brasilien-Mission einen Dienst, der halbzeitlich unter Deutschbrasilianern und halbzeitlich mit einem dort ansässigen Indianerstamm sein sollte. Doch nach eineinhalb Jahren kam ein SOS-Ruf aus Paraguay: Eine Gemeinde von Deutschbrasilianern hatte keinen Missionar mehr und man meinte, wir wären die einzig Passenden. Schweren Herzens packten wir den Umzugswagen in ein Land, in das wir eigentlich nicht wollten.
Gehorsam zahlt sich aus.
Im Dienst an dieser Gemeinde kam unsere eigentliche Berufung der Arbeit unter Indianern wieder stark zum Vorschein und so war es nicht schwer, der Bitte unserer Missionarskollegen nachzukommen; sie hatten als Rentner eine Arbeit angefangen und mussten sie jetzt altershalber aufgeben.
Nun sind wir schon 15 Jahre mit den Mbya-Indianern auf dem Weg und langsam wächst das Vertrauen. Ein Volk, das vom Animismus gequält wird – wir haben sie lieben gelernt in ihrer ganz anderen Art.
