Trost im Trauma
Vor einigen Jahren bat uns ein etwa 24-jähriger junger Mann, einige Tage bei uns übernachten zu dürfen. Wir unterhielten uns bis in die frühen Morgenstunden. Es war deutlich, dass ihn etwas sehr Ernstes beschäftigte; doch zunächst wagte er nicht, davon zu erzählen. Gegen drei Uhr morgens sprach er schließlich offen aus, was geschehen war: Als Teenager war er von mehreren Männern vergewaltigt worden. Diese Gewalterfahrung hatte ihn tief geprägt.
Mit der Zeit lernte er Christus als seinen Erlöser kennen. Er übernahm Verantwortung als Leiter einer Teenagergruppe und versuchte, das Erlebte hinter sich zu lassen. Doch als er bei einem Jugendlichen Verhaltensweisen bemerkte, die auf Missbrauch hindeuteten, und dieser seine Vermutung bestätigte, kehrten die eigenen Erinnerungen mit voller Wucht zurück. Was er verdrängt hatte, war plötzlich wieder gegenwärtig. Der innere Friede wich einer großen Unruhe, und er suchte bei uns Hilfe.
Er blieb mehrere Tage. Wir lasen gemeinsam in der Bibel, beteten und führten viele Gespräche. Es ging darum, das Erlebte vor Gott zu bringen, Schmerz auszusprechen und neu Halt zu finden. Getröstet kehrte er nach Hause zurück.
Dies ist mein Trost in meinem Elende, dass deine Zusage mich belebt hat.
Psalm 119,15
Einige Monate später stand er an einer Bushaltestelle, als ein Auto bei Rot direkt vor ihm anhielt . Sein Blick traf die vier Männer im Fahrzeug, sie erkannten ihn ebenfalls: Es waren die Täter von damals! Sie forderten ihn auf, einzusteigen. Doch
er konnte weder sprechen noch weglaufen; sein Körper reagierte mit Erstarrung. Erst als die Ampel auf Grün sprang, fuhren sie weiter.
Das Wiedersehen war so erschütternd für ihn, dass er erneut für einige Tage zu uns kam. Wieder nahmen wir uns Zeit für Gespräche, für das Lesen in der Bibel und für das Gebet. Schritt für Schritt fand er zurück zu neuer Stabilität.
Heute ist er verheiratet und engagiert sich in verschiedenen Bereichen seiner Gemeinde. Durch Gottes Gnade hat sein Leben neue Hoffnung und Tragfähigkeit gewonnen.
Gebetsanliegen
- Gottes Weisheit um den Menschen in rechter Weise zu helfen.
- Eine Onlinekonferenz über das Thema: „KI, Fluch oder Segen?“
- Etliche Konferenzen in Argentinien und eine zum ersten Mal in Nicaragua.
