Schweigen brechen verändert
Nach nunmehr drei Jahren (2022), existiert der Dienst für Opfer sexueller Gewalt in den evangelikalen Freikirchen hier in Frankreich. Die bald kommende Weihnachtszeit bedeutet da ein Stück weit Atempause im Vergleich zum sonst hektischen Rhythmus des Jahres.
Zwar setzt unser Dienst seine Arbeit fort, doch die Urlaubszeiten der Mitarbeitenden führen zu einer willkommenen Entlastung angesichts der vielen Anfragen.
Als der Dienst begann, hatten wir mehrere Zweifel:
- Würden die Leiter von Gemeindeverbänden und anderen Jugendwerken die Existenz des Dienstes bekannt machen?
- Würden die Betroffenen das Angebot annehmen und uns ihr Vertrauen schenken?
- Würden die Verantwortlichen die Aufgabe annehmen, aktiv gegen Gewalt und Missbrauch in den Gemeinden vorzugehen?
Wir sind vom Ausmaß der Zeugen und Betroffenen überrascht, die sich an uns wenden. Bei einem Themenabend über Gewalt im Allgemeinen sagte mir der Pastor einer Pariser Gemeinde, der mich eingeladen hatte:
„Allein dadurch, dass wir diesen Abend angekündigt haben, kamen Menschen aus der Gemeinde auf mich zu und sprachen zum ersten Mal über das, was sie erlebt hatten.“
Diese Aussage hat mich nicht überrascht, denn es ist eine Erfahrung, die wir in unserem Dienst regelmäßig machen – besonders wenn wir mit einem Informationsstand auf Gemeindekongressen vertreten sind. Sobald Menschen spüren, dass sie verstanden und ihnen geglaubt wird, ist bereits ein großer Schritt getan, um Worte für ein oft seit der Kindheit verdrängtes Erleben zu finden.
Allein dadurch, dass wir diesen Abend angekündigt haben, kamen Menschen aus der Gemeinde auf mich zu und sprachen zum ersten Mal über das, was sie erlebt hatten.
Und seit einiger Zeit erkenne ich noch eine weitere Dimension der Wirkung unseres Dienstes StopAbus. Immer mehr Verantwortliche von Verbänden, Werken oder Gemeinden wenden sich an uns (Pastoren, Älteste, Leiter von Freizeit- und Ferienzentren, Vorsitzende von Bünden usw.). Sie kommen auf uns zu :
„Wir stehen vor einer Situation von Gewalt – können Ihr uns helfen zu verstehen, wie wir damit umgehen sollen?“
Das ermutigt mich sehr! Unser Dienst hat nicht auf jede Frage eine fertige Antwort. Doch gemeinsam mit den Menschen, die uns kontaktieren, suchen wir nach den besten Vorgehensweisen, um die Opfer zu schützen und dafür zu sorgen, dass unsere Begegnungsorte sichere Orte sind, die unserem Schöpfer Ehre geben
Gebetsanliegen
- Betet für Kraft gerade für Myriam, es gibt auch Widerstände, wenn es darum geht manche Gewohnheiten in Frage zu stellen
- Betet, dass die Opfer die wir begleiten auch und vor allem im Gemeindekontext, professionelle Hilfe und Restaurierung finden,
- Betet, dass auch Bibelschulen und theologische Fakultäten diese Themen endlich ernst nehmen
