Raum schaffen in der Herberge

In einem Buch über Gastfreundschaft habe ich einmal gelesen, dass wahre Gastfreundschaft nichts zu tun hat mit Leistung oder Perfektion, sondern mit Gegenwart. Die Autorin nannte es

„radikal einfache Gastfreundschaft“ – die gnadenvolle Praxis, Herz und Haus zu öffnen, damit andere die Liebe Christi erfahren können.

Das ist gelebtes Evangelium in gemeinsamen Mahlzeiten, aufmerksamen Gesprächen und stillen Orten, wo müde Seelen zur Ruhe kommen und Gott begegnen können.

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich zum ersten Mal die kleine Kapelle auf unserem Grundstück betrat. Der Ort hier heißt „Klus“ (Plattdeutsch für Klause), das spricht von Rückzug und Gebet.

Es war in der Adventszeit. Auf dem kleinen Altar unter dem Glasfenster war eine wunderschöne Krippe aufgebaut. Aufgestellt hatte sie die Frau, die uns die Kapelle zeigte; sie wies auf zwei Figuren am Rande der Szene und fragte mich, ob ich wüsste, wer sie seien. Als ich verneinte, lächelte sie und sagte: „Das sind die Wirtsleute.“

Oft werden die Wirtsleute in der Geburtsgeschichte Jesu übersehen oder sogar negativ dargestellt, doch sie haben Maria und Josef tatsächlich aufgenommen – auch wenn es nur im Stall war. In diesem Moment spürte ich, wie Gott mich ganz persönlich zu diesem Dienst der Gastfreundschaft berief: eine „Wirtin“ zu sein, die nicht nur für das leibliche Wohl sorgt, sondern auch für die Herzen derer, die Zuflucht suchen.

Diese Berufung prägt bis heute unsere Arbeit. Wenn Gäste einige Tage in unserem kleinen Häuschen verweilen, umgeben von Gärten, Teichen und Orten des Gebets – dann erleben wir, wie Gott ihnen begegnet: durch liebevolle Fürsorge, biblische Seelsorge und durch Liebe, die in einfachen Dingen spürbar wird.

Wie die Wirtsleute damals geben wir, was wir haben, und vertrauen darauf, dass Gott aus einem gewöhnlichen Häuschen heiligen Boden macht, auf dem Menschen ihm begegnen und Herzen bleibende Veränderung erfahren.

„Darum ehrt Gott, indem ihr einander annehmt, wie Christus euch angenommen hat“ (Römer 15,7 NGÜ).

Gebetsanliegen

Wir beten darum, dass Gott uns gebrauchen möge, Raum zu schaffen für die Entmutigten, die Ängstlichen, die Verzweifelten und die Leidenen, damit Gott ihnen begegnen kann.

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