Nicht nur eine Nummer im System

Auch für uns, die wir dort arbeiten, bleiben die Menschen hinter den Blutproben häufig unsichtbar, im System erscheinen sie meist nur als Nummer.

Im Hospital Diospi Suyana ist das anders. Das besondere Konzept besteht darin, dass die Patienten morgens kommen, mit dem Arzt sprechen, alle notwendigen Untersuchungen erhalten und am Nachmittag zur Auswertung wieder beim Arzt sind. Im besten Fall verlassen sie das Krankenhaus am Abend mit einer Diagnose und den passenden Medikamenten.

Das Labor ist im Krankenhaus oft ein verborgener Ort hinter großen Türen. Kaum jemand weiß, was dort geschieht. Für die Blutabnahmen ist das Labor zuständig, und dadurch begegnen wir vielen Patienten persönlich. Für mich bedeutet das: Ich sehe nicht nur Proben – ich sehe die Menschen dahinter.

Ich denke an einen älteren Mann im Rollstuhl, bei dem die Blutabnahme wegen seiner dünnen, faltigen Haut schwierig war und der vor Schmerz wimmerte. Als ich später seine Probe untersuchte, hatte ich sein Gesicht vor Augen.

Oder an ein kleines Mädchen, dem zum ersten Mal im Leben Blut abgenommen wurde. Durch ermutigende Worte und das Halten ihrer Hand konnten wir hoffentlich dazu beitragen, dass sie in Zukunft keine Angst vor Nadeln hat.

Und dann war da noch ein Mann, geprägt von harter Feldarbeit, der seine Urinprobe zunächst einfach in einer Ecke des Raumes abgeben wollte, statt zur Toilette zu gehen.

Viele solcher kleinen Begegnungen prägen den Alltag. Auch wenn wir die Patienten oft nur kurz sehen, können wir ihnen ein paar gute Worte mitgeben, zuhören, Trost spenden oder ihnen etwas von ihrer Angst nehmen. Ich bin sehr dankbar für diesen Patientenkontakt. Er erinnert mich daran, wie sorgfältig unsere Arbeit sein muss. Wenn sich in den Ergebnissen auffällige oder schlechte Werte zeigen, sehe ich nicht nur Zahlen, ich sehe das Gesicht eines Menschen vor mir.

Auch unter den Mitarbeitenden im Hospital ist der Kontakt enger. Man kennt sich, begegnet sich auf den Fluren, und die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Bereichen geschieht oft Hand in Hand.

Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken.


Lukas 5,31

Ich denke an einen meiner ersten Bereitschaftsdienste. Da das Labor am Wochenende nicht besetzt ist, teilen wir uns einen Bereitschaftsdienst. An einem Samstagnachmittag wurde ich ins Krankenhaus gerufen. Eine junge Frau war nach einem Verkehrsunfall mit einem Beckenbruch eingeliefert worden und hatte innere Blutungen.

Die Ärzte forderten Blutkonserven und Plasma an. Im Labor mussten diese vorbereitet, geprüft und dokumentiert werden. Wegen der kurzen Wege konnte ich die Konserven selbst auf die Intensivstation bringen und dort mit den Ärzten sprechen. Als ich die Patientin sah, wurde mir wieder bewusst, wofür wir diese Arbeit tun.

Auch wenn vieles im Labor im Hintergrund geschieht, sind die Patienten hier nie nur eine Nummer.

Hinter jeder Probe steht ein Mensch, oft mit einer bewegenden Geschichte. Und genau deshalb weiß ich immer wieder neu, dass meine Arbeit einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der Patienten leistet.

Gebetsanliegen

Wir haben noch viel Land zu erobern und bitten um mehr Teilnehmer, die sich durch das Wort Gottes ernähren und formen lassen.

 

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unterwegs | Ausgabe 1/2025
Ich stelle mich an die nächste Straßenecke, versuche konzentriert, die Aufschriften auf den vorbeifahrenden Bussen zu entziffern, entdecke meine Buslinie, winke zum Zeichen, dass ich mitfahren möchte, steige ein und die Fahrt geht los.