Neue Verantwortung, dasselbe Anliegen
Seit seinem Forschungsprojekt zu Versöhnungsprozessen in multikulturellen südafrikanischen Kirchengemeinden ist Marcus eng verbnden mit der Allianz für Verletzliche Mission (AVM). Die AVM ist ein internationales Netzwerk von Menschen vor allem aus der westlichen Welt und setzt sich ein für bewusst gewählte Verwundbarkeit in der interkulturellen Arbeit – man gibt bewusst Macht auf, statt sie einzusetzen (auch nicht zugunsten anderer). Konkret kann das heißen: Im Dienst gebraucht man ausschließlich einheimische Sprachen und bekommt so tiefe Einblicke in die Denk- und Glaubensformen der Menschen, was von z. B. Englisch oder Französisch oft verschleiert wird. Oder man verzichtet auf Finanzen von außen (ausgenommen für den eigenen Lebensunterhalt), so wird die Arbeit nachhaltig und lokal reproduzierbar.
Diese „Verletzliche Mission“ hat Überschneidungen mit ganzheitlich-holistischer Mission oder dem, was im Spanischen bekannt ist als „misión integral“; aber es gibt auch Unterschiede.
Verletzliche Mission betont insbesondere das kulturübergreifende Lernen, was dann wiederum eine stark kontextualisierte Art der Jesus-Nachfolge ermöglichen soll.
Als die AVM 2024 in Deutschland als Verein eingetragen wurde, hat Marcus den Vorsitz übernommen. Er ist in seinem Dienst weiter fest in Südafrika verwurzelt und versucht nun, die Arbeit der AVM mit dieser speziellen Perspektive weiterzuentwickeln und für andere Kontexte fruchtbar zu machen. Über kurz oder lang soll auch die kulturübergreifende milieubezogene missionarische Arbeit in Deutschland stärker davon profitieren. So soll demnächst ein Buch „Verletzliche Mission in der Praxis“ in für den deutschen Sprachraum angepasster Form veröffentlicht werden; es ist gerade auf Englisch erschienen als „Vulnerable Mission for Practitioners“.
Für die nächsten Schritte hilft es Marcus, dass er angeschlossen ist an das Forschungszentrum für Öffentliche Theologie an der Uni Stellenbosch (bei der „Einheit für Versöhnung & Gerechtigkeit“) und dass er an einer Bibelschule im Township unterrichtet. Dort kommen einen Tag im Monat Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einheimischer afrikanischer Kirchen zusammen; sie haben bisher keine formelle theologische Ausbildung, leiten aber kleine und größere Gemeinden. Der Unterricht in ihrer Muttersprache (isiXhosa) und der Ansatz, dass sie die vier Kursjahre hindurch in ihren Gemeinden bleiben sollen, dies beides fördert eine theologische Weiterentwicklung und Vertiefung von innen heraus. Das unterscheidet sich von den sonst üblichen Ansätzen, die diese tief in ihren Traditionen verwurzelten Gemeinden oft abschreiben oder aufgeben, weil ihre Theologie und Glaubensform sich so stark unterscheidet von denen europäischer Tradition.
Für uns als Familie ist diese neue Verantwortung von Marcus einerseits toll, weil sich darin so vieles von seinem bisherigen Lebensweg in einer guten Weise verknüpfen lässt und weil sich auch viele Türen auftun. Gleichzeitig ist es aber immer wieder ein Balanceakt, die verschiedenen Aufgabenbereiche miteinander abzustimmen und den Arbeitsumfang und seine Tätigkeiten so zu gestalten, dass es für uns als Familie angemessen ist.
Gebetsanliegen
Bitte betet doch mit um
- Weisheit bei der Planung der nächsten Schritte
- dass Marcus die isiXhosa-Sprache besser hören und verstehen kann
- Finanzierung (auf Marcus kommen voraussichtlich mehr Reisen zu)
- Aufenthaltsgenehmigung für Südafrika
