Mitgefühl zeigen – aber Abhängigkeit erzeugen
Dieses Dilemma erleben wir in unserer Missionsorganisation „Connect“ häufig. Unsere Missionare arbeiten in allen Gesellschaftsschichten und in jedem erdenklichen Beruf; von Gemeindegründern über Waisenhausmitarbeiter bis hin zu Studenten und Geschäftsleuten ist alles vertreten. Jedes Einsatzland und jede Berufung bringt andere Herausforderungen mit sich, das erfordert jede Menge Mitgefühl – ebenso wie Feingefühl.
Mitgefühl zeigen
erfordert Feingefühl
Wie drückt man Mitgefühl in anderen Kulturen und Gesellschaftsschichten aus? Wie zeigt man Mitgefühl, ohne dass es als Bemitleiden aufgefasst wird und dem Gegenüber Stolz und Würde raubt, vor allem in Kulturen, deren Wertesystem auf Ehre und Schande basiert? Wann erzeugen Taten, die auf Mitgefühl beruhen, Abhängigkeit und Unmündigkeit? Diese Fragen sollten wir uns alle stellen, wenn wir erfolgreich mit anderen Menschen zusammenarbeiten wollen.
Von Stütze zu Krücke
Diese Frage müssen auch Eugene und ich bei der Arbeit mit unseren Missionaren uns regelmäßig stellen. Für uns als Missionsorganisation, die auf Member-Care spezialisiert ist, ist es nicht immer einfach herauszufinden, wann wir bei unseren Missionaren durch unsere Unterstützung Unselbstständigkeit hervorrufen, von Stütze zu Krücke mutieren. Unser Mitgefühl kann uns leicht dazu bringen, zu schnell einzugreifen und zu schnell Lösungen zu präsentieren. Dabei kann es passieren, dass Gott nicht einbezogen wird. Immerhin wollen wir ja helfen, das ist doch immer eine gute Idee, oder?
Gute Idee oder Gottes Idee?
Eine gute Idee ist es immer, herauszufinden, ob unsere Taten auf guten Ideen beruhen – oder auf Gottes Ideen. Manchmal reicht ein kurzes Gebet aus. Manchmal dauert die Antwort etwas länger und sieht ganz anders aus als erwartet. Aber da in unserem interkulturellen Kontext eine gute Idee nicht immer ein gutes Ende gewährleistet, wollen wir nicht, durch unser Mitgefühl getrieben, voreilig und unüberlegt handeln. „Wir verlieren keine Zeit, wenn wir auf Gott warten“ (Corrie ten Boom), auch wenn es uns in unserer vom Tun getriebenen Mikrowellengesellschaft oft schwerfällt, das in die Tat umzusetzen.
