Mitfreuen

Pastor L., ein ehemaliger SEED-Schüler, kommt zu Frantz: „Ende Mai feiern wir das einjährige Jubiläum unserer Gemeinde in Cipion. Bitte komme mit deinen Studenten, denn sie haben mit uns diese Gemeinde gegründet!“ Der erste Gottesdienst damals wurde unter freiem Himmel gehalten und unsere SEED-Studenten hatten die Leitung. – Was für ein Dankesfest!

Mitleiden

Wir besuchen Frau Mark, deren Sohn (24 J.) nach einem Autounfall im Krankenhaus wegen unzureichender Behandlung verstarb. Das Haus ist voll, Besucher kommen und gehen. Wir sitzen beisammen und teilen unsere Anteilnahme mit. Es wird viel geweint und auch oftmals geschrien, um den Schmerz auszudrücken. In Haiti ist es wichtig, dass Trauernde nicht allein gelassen werden. Da die Beerdigung oft erst nach einigen Tagen oder Wochen gehalten wird, ist dies ein langer Prozess, der die Familie sehr belastet. In Haiti ist es viel wichtiger, auf eine Beerdigung zu gehen, als auf eine Hochzeit.

Wenn jemand krank ist, muss man ihn unbedingt besuchen. Im Gottesdienst wird dies angekündigt und die Leute werden aufgerufen, mit dem- oder derjenigen zu beten. Da ist dann oft das Krankenzimmer überfüllt. Sind wir krank, wollen wir ja eigentlich eher unsere Ruhe haben. Geht aber nicht!

Zu viel Mitgefühl? Gibt es so etwas überhaupt? Für die Haitianer vielleicht nicht, aber für uns Missionare bestimmt. Mir fällt es oft schwer, Frantz zu solchen Besuchen zu begleiten, denn wir sind es als Deutsche häufig nicht gewohnt, unsere Gefühle in ähnlicher Weise zu zeigen. Trotzdem bin ich dankbar, dass ich dadurch viel persönlicheren Kontakt zu den Leuten bekomme.

Danke vielmals für eure Gebete. Momentan ist es relativ ruhig, Coronafälle gibt es nicht viele und man versucht, einigermaßen normal weiterzumachen. Das SEED-Reisland ist nicht mehr besetzt – ob für immer, wird sich herausstellen. Wirtschaftlich geht es immer schlechter und es scheint keine Änderung in Sicht. Gut, dass wir wissen, dass Gott unser fester Anker ist und unser Leben in Seiner Hand hält. Details könnt ihr in unserem Rundbrief lesen.

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unterwegs | Ausgabe 1/2025
Solche Fragen werden mir immer wieder gestellt. Jeder weiß, dass Frantz der Direktor von SEED ist und der Rektor von USITA, unserer Uni, und dass er gern predigt. Aber ich? Ich habe mir selbst den Titel „Koordinatorin für Logistik“ gegeben, denn der passt am besten: Ich darf Putzpläne und Renovierungsarbeiten mitorganisieren und habe immer ein offenes Ohr für meine Mitarbeiter und besonders für unsere Studenten. Die kommen öfter zu mir, um zu quatschen, und immer wieder darf ich ihnen Zeugnis sein. Ich sage immer: „Auch wenn du noch nicht glauben kannst, ich bete trotzdem für dich.“
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