Mit Gottes Hilfe unterwegs

Bis vor einem Jahr war ich zusammen mit meinem Mann in Vicenza (Italien); 1990 waren wir dorthin gekommen, nachdem uns klar geworden war, dass Gott uns dort in der Mission haben wollte. 1966 hatte ein Ehepaar aus Amerika den Auftrag gehabt, in Vicenza einen kleinen evangelikalen Buchladen zu eröffnen; ihr Herzenswunsch war, dass endlich jeder Italiener eine Bibel haben sollte, um sie zu lesen – bis dahin besaßen meist nur die Priester eine Bibel. Später kamen mein Mann und ich nach Vicenza, um diesen Missionaren zu helfen; mit Gottes Hilfe war die Arbeit dort gewachsen und Gott hatte diesen Dienst gesegnet. Auch eine Gemeinde war entstanden.

Unsere Aufgaben in all den Jahren in Italien waren sehr vielseitig: In der Gemeinde durfte ich Frauen- und Jugendstunden halten und mich in der Seelsorge einsetzen. Im Buchladen gehörte zu meinen Aufgaben, am Telefon Bestellungen anzunehmen, das Bestellte zusammenzusuchen, Pakete zu packen, neue Ware auszupacken sowie die Schaufenster zu gestalten. Außerdem führten wir mit Kunden und Menschen, die einfach so in den Laden kamen, viele Gespräche.

Am Anfang hatten wir hauptsächlich Bibeln im Angebot, heute ist der Laden zusätzlich gefüllt mit Büchern, evangelistischen Heften, CDs, christlichen Filmen und vielem mehr. Mit dem Büchertisch kommen wir in ganz Italien herum, zum Beispiel in Gemeinden oder auf dem Marktplatz.  

Am Anfang hat es gedauert, bis die Italiener uns vertrauten; erst, wenn eine engere Freundschaft entstanden war, konnten wir mit ihnen näher über Jesus sprechen.

Ich erinnere mich auch an einige Versprecher, was mir aber Freunde eingebracht hat.

So wollte ich einer jungen Frau erklären, wie man deutsche Klöße kocht. Ich wollte ihr sagen, sie sollte die Klöße in einen Topf legen; „Topf“ heißt auf Italienisch „pentola“. Stattdessen sagte ich ihr, sie solle die Klöße in eine „pantalone“ legen – in eine Hose! Sie schaute mich ungläubig an, aber ich ließ mich nicht beirren: „Dann gieße heißes Wasser darüber und lasse das Ganze 20 Minuten ziehen.“ So kam es immer wieder zu lustigen Situationen, da viele Wörter sich sehr ähnlich anhören und man sie leicht verwechseln kann. Ich könnte noch viele solcher Begebenheiten erzählen.

Gott ist gut und man kann sich auf Ihn verlassen – immer und in jeder Situation.

Doch es gibt und gab auch Schweres: Mit der Zeit haben uns Menschen angerufen, die zu Hause ernsthafte Probleme hatten. So rief mich eine liebe Freundin an und sagte, ihre Tochter wolle sich das Leben nehmen, ob ich kommen könnte? Natürlich bin ich sofort hin und habe die Tochter in ihrem Zimmer hinter der Tür gefunden angetroffen – mit dem Messer in der Hand! Das war sehr brenzlig und ich bin Gott von Herzen dankbar, dass er sie bewahrt hat und auch mich.

Es gäbe noch sehr viel zu erzählen, was ich in diesen Jahrzehnten alles mit Jesus erlebt habe: Es sind so viele Wunder geschehen und Menschen zum Glauben gekommen. Aber es gab auch Situationen, in denen wir Gott nicht verstanden – zum Beispiel, als wir durch eine Eileiterschwangerschaft unser zweites Kind verloren: Ich konnte nicht begreifen, dass Jesus das zugelassen hatte. Zwei Wochen lag ich im Krankenhaus und in meinem Zimmer lagen mehrere Frauen, die eine Abtreibung machen ließen. Das war für mich schwer zu akzeptieren: Sie wollten ihre Kinder nicht  und  ich, die sich so sehr darauf gefreut hatte, durfte mein Baby nicht behalten. Es hat lange gedauert, bis ich sagen konnte: „Herr Jesus, ich verstehe es nicht und doch vertraue ich Dir!“

Ich bin so dankbar, dass Jesus mich gehalten hat, dass ich mein Vertrauen nicht weggeworfen habe und dass am Ende alles gut wurde.

Gott ist gut und man kann sich auf Ihn verlassen – immer und in jeder Situation. Auch wenn man manchmal nicht sieht, dass sich etwas ändert. Doch Er ist treu! Das, was Er zusagt, hält Er gewiss. Und das, was Er sich vorgenommen hat, das wird Er auch zu Ende bringen.

Im Laufe der Zeit bekam ich Kontakt zu einer Frau, die einen 39-jährigen, stark heroinabhängigen Sohn hat. Wie oft ist sie zusammengebrochen und wie oft habe ich gedacht, dass sie sich jetzt umbringt, weil sie kein Licht mehr sah. Wie froh und dankbar kann ich sein, dass ich Jesu Botschaft weitersagen und Mut machen darf und von dem erzählen kann, der den Menschen Hoffnung bringt und der ihr Leben verändern kann, wenn sie Ihm ihr Herz geben. Gott sei Dank ist der Sohn mittlerweile in Therapie und ich danke euch, wenn ihr auch für ihn und seine Eltern betet. Sie sind alle drei offen und man merkt ihnen an, dass sie sich wünschen, dass die Geschichte von Jesus wahr ist.

Zum Schluss möchte ich sagen, dass es ein Vorrecht ist, von Jesus zu reden, egal, wo wir sind. Es gibt so viel Leid und Hoffnungslosigkeit. Die Menschen brauchen Hoffnung und Sinn für ihr Leben. Ich danke Jesus für die vielen Jahre, die ich in Italien sein durfte. Danke, wenn ihr für all die vielen Menschen dort betet, zu denen ich auch jetzt noch weiterhin Kontakt habe. Jesus kennt sie alle und sie fehlen mir oft.

Nun bin ich seit einem Jahr allein in Deutschland. Ich bin immer noch mit der VDM unterwegs, meine Aufgaben sind jetzt etwas anders als in Italien; doch habe ich immer mit Menschen zu tun: Begleitung, Seelsorge, Hilfestellung, Gemeinden, Frauenstunden, Zeugnisabende, Hauskreise und so weiter.

Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr für mich betet, wo ich jetzt in Deutschland unterwegs bin. Auch brauche ich noch Menschen, die mich finanziell mit Spenden unterstützen wollen.

Wenn ihr mehr über mich erfahren wollt, könnt ihr mir schreiben und ich schicke euch mein Heftchen „Gibt es jemanden, der mich lieb hat“ – es ist ein Geschenk von mir an euch. Darin habe ich mein Zeugnis aufgeschrieben von meiner Kindheit bis zu meiner Zeit in Italien. Jesus gebührt aller Dank und alle Ehre für das, was Er in meinem Leben getan hat und noch tun wird!

Gebetsanliegen

  • die vielen Kontakte in Italien, die noch nicht zu Jesus gefunden haben
  • der heroinsüchtige Sohn einer italienischen Freundin und ihre ganze Familie
  • neue Mitarbeiter für den italienischen Buchladen
  • meine neuen Aufgaben in Deutschland
Marions Arbeit unterstützen

Hinweis: Die Beiträge von Missionaren sind persönliche Zeilen und geben nicht notwendigerweise die Meinung der VDM wieder.

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