Update | 15. Dezember 2025
Mein Selbstfindungs-Trip
Die beiden Soldaten, die auf der Ladefläche unseres Pickups saßen, machten eigentlich einen ganz freundlichen, fast harmlosen Eindruck auf mich …
... wenn da nicht die Tatsache gewesen wäre, dass wir gerade mitten durch ein Rebellengebiet fuhren und wir uns statt dieses nicht ganz freiwilligen Taxiservices auch gleich eine große Zielscheibe aufs Auto hätten malen können.
Wenn man sich in solchen Situationen befindet, ist man sich der eigentlichen Gefahr oft gar nicht bewusst. So ging es mir jedenfalls, während wir mit 120 Sachen über die kurvige Landstraße in Südäthiopien bretterten, und mich nur eine Frage beschäftigte: Wohin möchte Gott mich eigentlich senden?
Soll ich weiter an der Bibel- und Missionsschule Ostfriesland als Lehrer arbeiten, oder gibt es für mich doch einen Auftrag in diesem Land, in dem man offensichtlich leicht zu einem Dienst als motorisierte Infanterie verdonnert werden kann?
Eigentlich wünsche ich mir schon seit meiner Kindheit, wie mein Vater, in die Mission nach Äthiopien zu gehen
Leider wurde aus dieser Vision für mein Leben bisher nichts. Jedes Mal, wenn sich eine Gelegenheit abzeichnete, schlossen sich die Türen dann doch wieder, sodass ich schon davon ausging, dass ich mir diese Berufung nur eingebildet hatte.
Soll ich weiter an der Bibel- und Missionsschule Ostfriesland als Lehrer arbeiten, oder gibt es für mich doch einen Auftrag in diesem Land, in dem man offensichtlich leicht zu einem Dienst als motorisierte Infanterie verdonnert werden kann?
Nachdem sich die beiden ungebetenen Passagiere überraschend höflich für die Mitfahrgelegenheit bedankt hatten und wir unsere Reise ohne Waffengeleit fortsetzen durften, überkam mich dann doch ein Gefühl der Erleichterung.
Endlich traute ich mich, meinen Mitfahrer zu fragen, was mir schon die ganze Zeit auf dem Herzen lag:
„Was meinst du? Glaubst du, die äthiopische Gemeinde könnte meinen Dienst gebrauchen?“
Ich kam mir ziemlich demütig vor … „Ich will ja niemandem meine Dienste als Bibellehrer aufdrängen“, dachte ich.
Kelbessa, der damalige zweite Vorsitzende der äthiopischen Mennoniten, schaute irritiert zu mir herüber.
„Was interessiert dich, ob die äthiopische Gemeinde dich gebrauchen kann? Die eigentliche Frage ist doch, ob Gott dich für die Gemeinde in Äthiopien gebrauchen will.“
Diese einfache und klare Antwort brachte mich zurück auf den Boden der Tatsachen.
Unabhängig davon, was Menschen wollen, und unabhängig davon, was ich mir seit meiner Kindheit wünsche – Gott allein soll unseren Weg führen.
Und das hat er dann auch getan.
Inzwischen stecken wir mitten in den Vorbereitungen für unsere Ausreise nach Dire Dawa in Ostäthiopien, die für Ende 2026 angepeilt ist.
Wie es von hier aus weitergeht, was meine Frau Renate und meine vier Kinder von dieser Führung halten und wie Renate sich in unseren gemeinsamen Auftrag einbringt – all das kannst du auf diesem Blog und durch unsere Rundbriefe verfolgen.
Und nur der Vollständigkeit halber: wir haben den Trip nach Südäthiopien durch Gottes Gnade gut überstanden und hatten dort einen gesegneten Dienst.
Gebetsanliegen
- Eine gute Vorbereitung auf die Ausreise
- Dass die Kinder alles gut mitmachen
- Frieden, Sicherheit und Stabilität in Äthiopien
- Die nötigen Mittel zur Verwirklichung unseres Projekts