Mehr Zeit für persönliche Gespräche
Unsere Alphabetisierungsarbeit wird in Kleingruppen in den Häusern der Schüler durchgeführt. Da dieses Jahr seit März alles anders verlaufen ist, konnten wir auch nicht wie gewohnt unseren normalen Unterricht in Gruppen von 10 bis 20 Personen durchführen. Trotzdem hatten wir 30 freiwillige Lehrer, die in ihren Familien, Gemeinden und in ihrer
Nachbarschaft mit diesem Dienst weitermachten.
Auch wenn man sich nicht mehr in Gruppen versammeln durfte, konnten die Lehrer doch Hausbesuche machen und dort in den Familien den Unterricht gestalten. Oft gab es sogar mehrere Alphabetisierungs-Schüler oder -Teilnehmer innerhalb der gleichen Familie. Bei diesen „Hausbesuchen“ stießen die meisten unserer Alphabetisierungs-Helfer auf die gleichen Nöte:
Da die meisten unserer Schüler Mütter mit Kindern sind, wollten sie nicht selber Unterricht haben, sondern baten die Lehrer, ihren Kindern bei deren Hausaufgaben zu helfen, denn sie waren mit diesem „Fern-Unterricht“ überfordert.
Die zweite Not war, dass die Mütter sich nicht mit der Bedienung ihres Handys auskannten, um die Hausaufgaben der Kinder an die Lehrer zu verschicken. So waren unsere Lehrer oft damit beschäftigt, sich immer wieder mit ihnen hinzusetzen, um ihnen die Handy-Funktionen zu erklären.
Und drittens: Bei diesen Hausbesuchen öffneten sich viele unserer Schüler und teilten uns ihre Ängste und Sorgen mit. Meistens ging es da um die finanziellen Folgen des Lockdowns: viele der Männer hatten ihre Arbeit verloren, die Kinder konnten nicht zur Schule gehen, und so gab es viel Frustration und auch Streit im Haus.
Durch diese Erlebnisse hatten unsere Mitarbeiter die Gelegenheit, die verunsicherten Familien zu beraten, ihnen Mut zu machen, ihnen praktisch weiterzuhelfen und mit ihnen gemeinsam zu beten.
