Medizinisch-missionarische Arbeit
Vor mir liegt ein älterer Mann, gezeichnet von seinem Prostatakrebs. Metastasiert. Im Endstadium.
Er erzählt aus seinem Leben. Von seiner Heimat. Von Nachbarn, über die er früher gelacht hat, weil sie bei Wind und Wetter zum Gottesdienst gegangen sind. Damals konnte er damit nichts anfangen. Jetzt, am Ende seines Lebens, kommen Fragen hoch, die er jahrzehntelang verdrängt hatte. Die größte: Gibt es ein Leben nach dem Tod?
Medizin kann viel. Aber sie kann diese Fragen nicht beantworten. Mir war klar, dass Gott dabei war, ein Herz zu
berühren.
Ich frage ihn: „Haben Sie Frieden mit Gott?“ Er verneint. So darf ich an diesem Nachmittag das Evangelium mit ihm teilen – und ein verlorener Sohn findet seinen Weg nach Hause. Als ich Tage später ins Hospiz komme, ist sein Bett
leer. Wenige Stunden nach unserem Gespräch ist er gestorben.
Diese Begegnung liegt einige Jahre zurück. Heute arbeite ich in Peru, am Missionshospital Diospi Suyana, einer der größten Einrichtungen ihrer Art in Südamerika. Hier behandeln wir Menschen, die oft keinen Zugang zu medizinischer
Versorgung haben.
Auch hier stoßen wir immer wieder an Grenzen. An medizinische, an menschliche, an persönliche. Manches bleibt unheilbar. Nicht jedes Leben können wir retten. Aber wir können Menschen begegnen. Wir können bleiben. Zuhören. Da sein. So wie an jenem Nachmittag in Deutschland.
Jesus sagt:
„Ich war krank, und ihr habt mich gepflegt.“
Matthäus 25,36
Wer behandelt, ohne zu lieben, bekämpft nur Symptome. Wer liebt, ohne hinzugehen, bleibt auf Abstand. Pflege bedeutet Berührung. Wer sich darauf einlässt, wird zum Werkzeug in Gottes Hand. Mission beginnt nicht im fernen Ausland. Sie beginnt dort, wo du bist. Dort, wo Jesus dich als seine Hand, seinen Mund, sein Auge und sein Ohr gebrauchen will. Als Vollzeit-Christ und Alltagsmissionar.
