Leben wie Gott in Frankreich
Vier junge Gesichter schauen uns fragend an. Verwirrt. Ungläubig. „Haben die gerade wirklich ‚Jesus‘ gesagt?“, steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Ein peinlich berührtes Lachen. Karfreitag. Wir sprechen über Tod und Auferstehung.
In Deutschland sagt man: „Leben wie Gott in Frankreich“, aber wie lebt Gott in Frankreich? Hier ist Glaube oft unsichtbar, in der Öffentlichkeit ist er tabu. Laizität – die strikte Trennung von Religion und Öffentlichkeit – prägt den Alltag besonders der junger Menschen. Viele glauben an nichts oder an die Philosophie.
Je mehr Jugendliche hinzukommen, desto trockener wird mir der Mund. Sie lachen, zucken mit den Schultern – und bleiben. Ich frage trotzdem:
„Habt ihr euch schon mal Gedanken gemacht über Jesus, seinen Tod, seine Auferstehung?“ Ein Mädchen mit dunklen Haaren bleibt hängen. Ein Freund sagt halb im Spaß: „Das ist was für dich“, und sie sagt leise: „Ich glaube daran. Aber das war für mich immer schwer.“
Für mich öffnet sich damit eine Tür. „Darf ich euch drei Dinge mitteilen, die mir zeigen, dass das wirklich passiert ist?“ Neugier. Offene Gesichter. Ein junger Mann sagt nachdenklich: „So habe ich das noch nie betrachtet. Aber ich brauche mehr, um das glauben zu können.“
Genau deshalb bin ich nicht allein hier. Mein französischer Kollege erzählt seine Geschichte – sie klingt wie ein Echo der Fragen von gerade eben. Die Jugendlichen öffnen sich, reden über Sinnsuche, über Zweifel.
Ich erzählen, was mein Glaube mit mir macht, wie Jesus meinem Leben Stabilität und Sinn gibt. Einer will gehen, aber sie bleiben und hören zu.
Am Ende sagen wir: „Wenn ihr es wirklich wissen wollt – bittet Gott, sich euch zu zeigen. Manchmal beginnen Wunder genau so.“
Ich nehme aus diesem Tag etwas mit, das ich so schnell nicht vergesse: Manchmal warten nach einer peinlichen Stille richtig tiefe Begegnungen! Und Gott weiß genau, wen er uns schickt – und wann unsere Geschichte dran ist.
