Leben und Überleben in Palmasola

(Taufe in einem paraguayischen Gefängnis)

 

Gebaut wurde Palmasola ursprünglich für 800 Insassen; bei der letzten Zählung, 2024, sollen es 8000 Gefangene gewesen sein. Aber offizielle Zahlen gibt es nicht. Palmasola ist ein Gefängnis wie eine Stadt: mit Wohnvierteln, in denen es nach Kloake stinkt, Imbissbuden, einem Friseurladen und sogar einer Spielhalle. In der schäbigen Holzhüttensiedlung am Rand von Santa Cruz, Boliviens modernster Stadt, sieht man keine Gefängniswärter. In dieser kleinen verwinkelten Verbrecherwelt gibt es Mauern, Stacheldraht und dahinter die Gefangenen, die sind sich selbst überlassen. Es gibt eine Mafia, die Schutzgelder eintreibt, und auf den fünf Meter hohen Mauern patroullieren schwerbewaffnete Wärter. Über diese Mauer darf niemand kommen; aber was hinter ihr geschieht, interessiert die Wärter nicht. Anarchie total!

In Palmasola leben Mörder, Drogendealer und Entführer, Totschläger, Vergewaltiger und Kleinkriminelle. Manche Häftlinge hausen dort mit Frau und Kindern, inmitten von Schwerverbrechern. Palmasola ist ein bizarrer, hochexplosiver Kosmos – mit ein paar Regeln, aber ohne Gesetze. Das Regime führen Bandenbosse und eine aus Gewaltverbrechern bestehende Schlägertruppe, die sich „Disciplina“ nennt. Wer Geld hat, lebt entspannter: Schmuggler schleusen alles in die Stadt, was von den Insassen gewünscht und bezahlt wird.

Wie könnten wir die Menschen in dieser illustren, gefährlichen Gefängnis-Stadt erreichen? Wie könnten wir den Insassen von Palmasola mit unseren SMART-Seminaren helfen? Das fragten wir uns seit über einem Jahr. Wir hatten Gespräche geführt mit dem Gefängnisdirektor, Anträge geschrieben, unsere Arbeit vorgestellt und immer wieder darum gebetet, dass Gott uns Türen in diesen Mega-Knast öffnet. Aber stets waren irgendwelche Hindernisse aufgetaucht; der entscheidende Durchbruch war ausgeblieben.

Jetzt gibt es erfreuliche Nachrichten zu vermelden! Vor einigen Wochen lernten wir Maggy kennen, eine engagierte Christin aus Santa Cruz. Maggy und ihre vier Freundinnen Yessica, Celia, Victoria und Monica wollen etwas für die sechshundert weiblichen Häftlinge von Palmasola tun. In diesen Tagen stellen sie im Frauentrakt unser SMART-Projekt vor, mit einer Gruppe von ca. fünfzig Frauen wollen sie ein Seminar starten. Wir stellen für jede Teilnehmerin das Studienmaterial zur Verfügung und unterstützen die mutigen Missionarinnen auch logistisch.

Wir danken Gott für diese Allianz und dafür, dass er motivierte Mitarbeiterinnen geschenkt hat. Nun sind wir gespannt, welche Kreise diese neue Initiative in Palmasola und im Leben der Frauen zieht. Bitte betet mit dafür, dass der Dienst von Maggy und ihrem Team auf gute Resonanz stößt und dass durch das Seminar viele Frauen Jesus Christus begegnen.

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