Lass los und überlass es Jesus!

Es ist 22 Uhr. Erschöpft sitze ich auf meinem Bett und bereite für den nächsten Tag alle Materialien für unser Tagesseminar und Kreativ-Angebot mit sechzig jungen Frauen vor. Durch das Fenster dringen eine kühle Brise und der muslimische Gebetsruf, der mich nachts kaum schlafen lässt. In den ersten zwei Wochen unseres Einsatzes im Nahen Osten haben Jane und ich mit unserem einheimischen Mitarbeiter Ishak* zwei Konferenzen und drei Tagesseminare für Christinnen gehalten und nun besprechen wir die Details für das nächste Seminar.

Plötzlich schießt mir ein Gedanke durch den Kopf und ich bitte Ishak, unseren Partner anzurufen und zu fragen, wie viele Frauen kommen werden. Darauf folgt ein hitziges Telefongespräch und Ishak erklärt uns, das Datum sei ein Missverständnis, die Frauen seien auf übermorgen einen Tag später als den von uns angegebenen Tag eingeladen wurden! Für einen kurzen Moment sind wir drei sprachlos. Seit drei Monaten hatten wir alles vorbereitet: den Raum gebucht, das Essen bestellt und unser Helferteam organisiert. – Jesus, was nun?

Vor ein paar Jahren hätte mich diese Situation vollkommen überwältigt und gestresst.

Als Deutsche schätzte ich Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, gute Strukturen und Pläne, denn das gab mir Sicherheit. Aber als Missionarin erlebte ich immer wieder Situationen, wo ich keine Kontrolle hatte und Jesus mich einlud, ihm vollkommen zu vertrauen …

Eine Frage des Vertrauens

Seit Beginn meines Dienstes mit Jane hatte nicht nur ihr Ehemann, sondern auch sie jeder zwei Krebsbehandlungen. Währenddessen Dann konnten wir zwar keine Einsätze machen, aber dafür lernten wir, durch Videotelefonate mit unseren Teams und Projekten in Verbindung zu bleiben und aus der Ferne zusammenzuarbeiten. Gott sei Dank sind Jane und ihr Ehemann nun krebsfrei und ihre Zeugnisse ermutigen die Frauen zutiefst.

Wie ursprünglich geplant

Im März 2020 waren Jane und ich in einem Einsatz in Südwest-Asien, da wurden plötzlich aufgrund der Corona-Pandemie alle Grenzen geschlossen und die Flüge gestrichen. Dennoch beendeten wir wie geplant  unser Kreativ-Training und gaben den Frauen Hoffnung in einer ungewissen Zeit. Kurz vor unserem gebuchten Heimflug hörten wir, dass dieser als der erste Rettungsflug nach London gehen würde, und so kamen wir „pünktlich“ und heil zurück.

Bereit für ein Geschenk?

Wie schwierig der Londoner Wohnungsmarkt ist, erlebten meine Freundin und ich 2023; und als wir nach neun Monaten Suche endlich eine gute Option gefunden hatten, gab es Probleme. Im Gebet empfand ich, dass Jesus mich bat, diese Wohnung loszulassen, damit meine Hände offen waren für sein Geschenk. So sagten wir im Glauben die Wohnung ab, aber in mir kamen Zweifel hoch. Wenig später zeigte Jesus uns eine viel bessere Wohnung und außerdem beschenkte er uns mit Möbeln und Finanzen, um sie einzurichten und die höhere Miete zu stemmen.

Wenn ich auf diese Meilensteine zurückschaue, dann durfte ich im Loslassen nicht nur Jesu Treue erleben, sondern auch, wie sie mich von innen heraus verändert. So bete ich nun gemeinsam mit Ishak und Jane in dem Glauben, dass Jesus Lösungen hat für dieses Seminar – und kurzerhand wird ein anderer Raum gefunden und alle Helfer können kommen. Zwar funktioniert die Leinwand nicht, wie sie soll; doch spüren die jungen Frauen Jesu liebevolle Gegenwart und wie er sie persönlich berührt, und genau darum geht es!

* Name geändert.

  • um Vertrauen und Frieden in schwierigen Situationen
  • um Jesu Leitung, Schutz und Wirken in unserem Dienst
  • für die Frauen, dass sie Jesu Treue, Liebe und Heilung erfahren
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Hinweis: Die Beiträge von Missionaren sind persönliche Zeilen und geben nicht notwendigerweise die Meinung der VDM wieder.

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unterwegs | Ausgabe 2/2026
Die Witwen, denen wir begegnen, tragen oft lebenslang Schwarz als Zeichen der Trauer. Der Verlust überschattet jeden Bereich ihres Lebens. Immer wieder erleben wir, wie Jesus in diese Dunkelheit hineinwirkt und Trost, Frieden und neue Hoffnung schenkt.