Jetzt auch noch schwanger!
Als Kaya ihre Situation schilderte, schien die Entscheidung aus ihrer Sicht nachvollziehbar. Sie hatte ihren Partner und ihre drei Kinder auf den Philippinen zurückgelassen, um in unserem Einsatzland als Pflegerin zu arbeiten und Geld nach Hause zu schicken. Das meiste ihres Einkommens geht an ihre Familie, für Kaya bleibt nur wenig. Dann wurde sie unerwartet schwanger.
Während unseres Gesprächs bemerkte ich blaue Flecken an ihrem Körper. Auf meine Nachfrage erzählte Kaya, dass ihr neuer Partner, der Vater des ungeborenen Kindes, sie wiederholt geschlagen habe. „Das ist auch der Hauptgrund, warum ich abtreiben muss“, sagte sie. „Ich will nicht an ihn gebunden sein.“
Wir sprachen lange über ihre Situation. Dabei erwähnte sie auch ihren katholischen Glauben, so kamen wir darüber ins Gespräch, was ihr Glaube für diese Entscheidung bedeuten könnte. Wir redeten über ihre Optionen und darüber, welche Unterstützung wir ihr anbieten können. Am Ende war sie dankbar für das Gespräch, auch wenn sie zunächst bei ihrer Entscheidung blieb.
Als Team blieb uns nur, für sie zu beten. Kurz vor ihrem Abtreibungstermin schrieb ich ihr noch eine Nachricht und erinnerte sie daran, dass sie jederzeit die Klinik verlassen kann, wenn sie Zweifel hat. Danach hörte ich zunächst nichts mehr von ihr.
In solchen Situationen fällt es nicht leicht, loszulassen und alles Gott anzuvertrauen. Man ringt innerlich und fragt sich: Habe ich genug gesagt? Hätte ich noch etwas anderes tun oder sagen können?
Einige Tage später kam eine Nachricht: Kaya hatte den Termin nicht wahrgenommen und beschlossen, ihr Kind zu behalten. Was für eine Freude!
Seither ist vieles geschehen: In einem Monat konnte sie ihre Miete nicht bezahlen, als Beratungszentrum konnten wir kurzfristig aushelfen. Kurz darauf erhielt sie einen Bescheid, dass sie unerwartet Schulden zurückzahlen müsse. Mehr als einmal hatte Kaya kaum Geld für Lebensmittel und ich bin mit ihr einkaufen gegangen. Wir luden sie auch zu uns nach Hause ein und besuchten sie regelmäßig.
An einem Punkt sagte sie völlig erschöpft zu mir: „Ich kann nicht mehr. Ich weiß nicht, ob ich das noch weiter durchhalten kann.“ Wir versuchten mit allen Mitteln, die uns zur Verfügung standen, Kaya zu unterstützen.
Wenn man sich in ihre Situation hineinversetzt, wird deutlich, wie viele Probleme gleichzeitig auf sie einwirken.
Oft steht ihr das Wasser bis zum Hals. In einer solchen Lage kann eine Abtreibung schnell wie eine scheinbare Lösung wirken für zumindest einige dieser Schwierigkeiten. Inzwischen ist Kaya im fünften Monat schwanger. Zuletzt schien sich ihre Situation etwas stabilisiert zu haben und ich konnte sogar etwas Vorfreude auf das Kind wahrnehmen.
Seit zwei Wochen habe ich jedoch nichts mehr von Kaya gehört. Zuletzt hatte sie berichtet, dass ihr (gewalttätiger) Partner Besserung versprochen habe und sie aus finanziellen Gründen wieder zu ihm gezogen sei. Seitdem ist der Kontakt abgebrochen. Mir bleibt im Moment nur zu warten und zu beten, dass Gott sie und ihr Kind bewahrt. Trotzdem bin ich so unendlich dankbar dafür, wie Gott hier eingegriffen und das Unmögliche möglich gemacht hat.
Gebetsanliegen
- Dass der Herr Kaya und ihr Kind bewahrt.
- Für Gottes Führung in den Beratungsgesprächen.
