Jesaja

Wenn es ein biblisches Buch gibt, das der Adventszeit ihren besonderen Charakter verleiht, dann ist es wohl das Buch Jesaja. Wer sich die Zeit nimmt, es aufmerksam zu lesen, wird in einen Wirbelsturm der Gefühle hineingezogen – von Verzweiflung zu Hoffnung, von Angst zu Freude, von Schuld zu Erleichterung. Zugleich ruft es dazu auf, die Lähmung angesichts der Dunkelheit zu überwinden und hineinzufinden in aktiven Gehorsam und ein mutiges Bekenntnis des Sieges Gottes über die Finsternis.

Ein wesentlicher Teil meiner Arbeit besteht darin, dieses Buch zu erforschen, um besser zu verstehen, wie es unser Dasein als Leib Christi mit seinem Auftrag in dieser Welt erhellt, und es so zu lehren, dass es diejenigen prägt, die innerhalb des Leibes Christi dienen. Im Unterricht hatte ich das Vorrecht, das Buch Kapitel für Kapitel mit einem palästinensisch-israelischen Missionar und Pastor zu studieren – ebenso mit Studierenden, die sich auf den internationalen Missionsdienst vorbereiten oder in Deutschland wirken möchten.

In meiner Forschung habe ich zu diesem Thema Vorträge an deutschen Bibelschulen und auf einer internationalen Konferenz in Wien gehalten. Eine zentrale Frage war dabei die des Advents: Wer ist das Immanuel-Kind aus Jesaja 7,14–17? Natürlich ist die Antwort: Jesus. Doch wer ist Jesus? Was offenbart das Zeichen des Immanuel-Kindes über ihn? Meine bisherige Antwort, die sich allein auf den Text von Jesaja 7–8 stützt, lautet in etwa so: Er ist derjenige, durch den Gott seinen Bund mit Israel erfüllt, indem er  die Strafe für ihre Sünden auf sich nimmt und sie dadurch befreit, in eine neue Existenz göttlichen Segens einzutreten. Der Weg zu diesem neuen Leben führt mit ihm durch das Gericht hindurch, damit wir auf der anderen Seite neu hervorgehen.

Möge diese Adventszeit uns – und allen, denen wir dienen – diese Wahrheit stets vor Augen halten.

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