In der Not allein gelassen
Dieser Anruf war der Beginn eines Dienstes, der seither immer wieder angefragt wird, meist durch Menschen, die bei einer schwierigen Beerdigung dabei waren und meinen Namen weitergegeben haben.
Für mich gehören das Verkünden des Evangeliums und Hilfe in der Not zusammen.
Der junge Mann war vor einigen Jahren aus der Kirche ausgetreten. Deshalb wollte der zuständige Pfarrer die Beerdigung nicht übernehmen. Für die Eltern war das besonders schmerzhaft, denn ihr Sohn hatte sich im Garten ihres
Hauses das Leben genommen. Der Vater hatte ihn gefunden.
Am Nachmittag fahre ich zur Familie. Trauer, Schmerz und viele Fragen füllen den Raum. Tränen fließen. Sie erzählen aus seinem Leben, ich höre zu und frage nach. Mit der Zeit mischen sich Zorn und Enttäuschung in das Gespräch:
„Warum kommt der Pfarrer nicht zu uns? Wir sind doch noch in der Kirche. Wo sollen wir ihn denn beerdigen?“ Ich kann ihre Reaktion verstehen. Vorsichtig lade ich sie ein, in den kommenden Tagen Abschied zu nehmen.
Vor der Kirche versammeln sich über 300 Menschen, um Abschied zu nehmen. Doch die Feier darf nicht in der Kirche stattfinden. Ein älterer Mann raunzt mich griesgrämig an: „Um 5 vor schiebe ich ihn hinaus, dann könnt ihr machen, was ihr wollt!“
Behutsam spreche ich über die innere Not des Verstorbenen, über eine Situation, die für uns Außenstehende kaum nachvollziehbar ist. Und ich erzähle von der Hoffnung des Evangeliums: von Jesus Christus, der mit seinem Leben, Sterben und Auferstehen einen Weg der Hoffnung eröffnet hat. Wer sich ihm anvertraut, hat einen guten Hirten, der auch im Dunkel da ist.
Nach der Beerdigung sitzen wir noch lange im Garten zusammen. „Herr Pfarrer, mogst a Bier?“ Ich nehme an und bin dankbar für das Vertrauen, das mir entgegengebracht wird. Wir reden noch lange offen über Trauer und die Hoffnung, die der Glaube geben kann.
