„Ich bin gefangen gewesen und ihr habt mich besucht!“

„Pastor, haben Sie Schuhe für mich?“, hört Juan rufen, als er sich dem Ausgang des Hochsicherheitsgefängnisses nähert. Er dreht sich um und sieht einen notdürftig bekleideten jungen Mann barfuß in kaputten Badeschlappen. „Das sind meine einzigen Schuhe“, sagt er. Im unbeheizten Gefängnis hier auf 4.050 m Höhe ist es bitterkalt. Spontan zieht sich Juan seine Schuhe aus und gibt sie dem Häftling. Der staunt und zieht sie dankbar an. Auch die Polizisten sind verdutzt, als Juan auf Strümpfen das Gefängnis verlässt und zum Auto läuft. Beim nächsten Besuch bringt Juan dem Häftling eine Jacke, warme Socken und ein Neues Testament mit und lädt ihn zum Gefängnisgottesdienst ein, an dem er fortan regelmäßig teilnimmt.

Bei einem anderen Besuch im Hochsicherheitsgefängnis fällt Juan im Eingangsbereich ein alter Polizeibus auf. Als er sich dem Bus nähert, ruft es aus dem Bus: „Pastor, beten Sie für mich!“ Erst jetzt bemerkt Juan den Mann im Bus mit Handschellen und zusammengeketteten Füßen. Die Polizisten lassen nicht zu, dass sich Juan dem Bus weiter nähert. Juan erfährt, dass es sich bei dem Mann um den kürzlich ausgebrochenen Häftling handelt. Zur Strafe muss er sich nun bei Temperaturen unter Null einen Monat in dem ausgedienten Bus aufhalten.

Beim nächsten Besuch darf Juan dem Häftling Kleidung, Essen und ein Neues Testament überreichen. „Danke, Pastor, beten Sie, dass ich nicht umgebracht werde.“ Gerne betet Juan für diesen Mann und stellt beim nächsten Besuch mit Freuden fest, dass er nicht umgebracht wurde und auch nicht mehr im Bus schlafen muss. Dankbar erzählt der Häftling, wie viel ihm der Besuch und das Gebet bedeutet haben.

Leider sind seit Monaten wegen der Coronakrise keine Gefängnisbesuche mehr erlaubt, aber Juan durfte mehrmals hunderte Brötchen und andere Lebensmittelspenden ins Hochsicherheitsgefängnis bringen. Wie gut, dass Jesus uns die Gefangenen aufs Herz gelegt hat.

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