Hoffnungstropfen in der Steppe

Im Januar und Februar konnten wir in dem Massai-Dorf Malambo, wo die meisten unserer Projekte sind, Maismehl, Öl und Bohnen verteilen. Auch für die 600 Kinder an unseren Schulen gab es Obst. Zusätzlich wurde Erdnussbutter in den morgendlichen Brei gemischt, um sie nach den langen Weihnachtsferien wieder zu stärken. Dies war möglich durch Sonderspenden, unter anderem von MAF. Zusätzlich konnten wir für alle Schulkinder eine Kinderbibel besorgen, die sie auch zu Hause ihren Geschwistern vorlesen können.

Und nun ist endlich Hoffnung gekommen – in Form von Regen. Auch wenn es noch etwas dauert, wissen alle: Bald wächst das Gras für die Kühe, Schafe und Ziegen – die Haupteinnahmequelle vieler Massai-Familien. Und auch Mais und Bohnen werden wachsen. Die meisten Massai können selbst keine Landwirtschaft betreiben, da dies nicht zu ihrem nomadischen Lebensstil passt. Und die Gegenden, in denen sie leben, sind nur mit großem und teurem Aufwand zu bewirtschaften. Aber sie kaufen Mais und Bohnen von anderen Volksgruppen.

Regen bedeutet zugleich, dass die Straßen nicht passierbar sind. Erst heute Morgen musste unser Steppenwagen in Malambo umdrehen, weil der Fluss nicht zu durchqueren war. Die einzige Strecke zum nächsten Krankenhaus, 2,5 Stunden entfernt, ist also zeitweise für Tage nicht erreichbar. Viele Häuser der Massai-Familien sind an die Trockenzeit angepasst, werden bei starken Regenfällen aber schnell undicht. Daher verteilen wir Planen an Familien, die sich diese nicht leisten können, damit sie einen trockenen Ort für sich und ihre Kinder haben.

„Was muss ich also machen, wenn ich Mangos ernten will?“ – „Natürlich einen Mangobaum pflanzen!“

Sonntags feiern wir in unserer Gemeinde in Arusha Gottesdienst mit vielen verschiedenen Nationalitäten und verschiedenen tansanischen Volksgruppen. Wir treffen uns in einem Krankenhaus, das sich auf Geburtshilfe und die Behandlung von Fisteln bei Frauen spezialisiert hat. Eine Geburtsfistel ist eine Verletzung, bei der eine Verbindung zwischen Geburtskanal und Blase oder Darm entsteht. Sie entsteht durch schwere Geburten und/oder falsche oder fehlende Geburtshilfe, vor allem in ländlichen und armen Gegenden ohne medizinische Versorgung.

Viele Frauen leben daher am Rande der Gesellschaft und werden sozial isoliert. Durch einen vergleichsweise kleinen operativen Eingriff kann dies häufig behoben werden. Frauen, die seit Jahrzehnten ausgeschlossen gelebt haben, bekommen ihre Würde zurück. Diese Mütter kommen aus allen Teilen Tansanias, aus verschiedenen Volksgruppen und verschiedenen religiösen Hintergründen. Die Frauen, die in dieser Klinik behandelt werden, kommen aus armen Verhältnissen. Viele von ihnen haben nie die Schule besucht. Sie haben viele Kinder, und oft haben ihre Männer mehrere Frauen.

Jeden Sonntag haben diese Frauen die Möglichkeit, etwas von Gottes Liebe zu hören. Es gibt einen Swahili-Teil und einen englischen Teil. Auch Lieder werden sprachlich gemischt. Wir dürfen in diesem kurzen Zeitraum unsere Erfahrungen mit Jesus weitergeben, die sie hoffentlich dann auch in ihren Alltag mitnehmen. Und wir beten für sie.
Inspiriert durch den Regen und das reiche Wachstum aller Pflanzen musste ich an Galater 5:22-23 denken:
„Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung.“
Wir hatten am Tag vorher verschiedene Bäume gekauft, die wir pflanzen wollen. Diese brachte ich also mit: einen Strauch mit Chili, einen Papayabaum und andere Pflanzen.
„Wenn ich diesen Papayabaum pflanze, welche Frucht trägt er?“ – „Papaya“
„Wenn ich diesen Chilistrauch einpflanze, was wächst nach einiger Zeit dort?“ – „Chili“
„Aber ich liebe Mangos! Wie kann ich denn von diesem Baum oder Strauch Mangos ernten?“ - „Gar nicht!“
„Aber ich habe eine Idee: hier habe ich ein Bild von einer Mango, wenn ich das einfach an den Baum anlehne, dann bekomme ich doch bestimmt Mangos!“  - „Nein, natürlich nicht“.
„Was muss ich also machen, wenn ich Mangos ernten will?“ – „Natürlich einen Mangobaum pflanzen!“
Und so lecker Mangos ja auch sind: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung klingen noch besser.

Wenn wir also Früchte des Geistes ernten wollen, müssen wir einen „Geistesbaum“ pflanzen. Jesus gibt uns dazu ein paar Gärtnertipps: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.“ (Johannes 15,5)

Okay, das hört sich eigentlich machbar an – und auch gar nicht nach so viel Arbeit. Wo bleibt das Schaufeln, das Düngen und Wässern?

So schnell sind wir dabei, uns auf andere Dinge zu verlassen: unseren Verstand, unsere körperliche Kraft, unser Geld oder andere Ressourcen, unsere Versicherungen, unsere Gesundheit, unseren Status, unsere Familien, unseren Job und vieles mehr.
Ein Beispiel, das unsere Chefin Angelika Wohlenberg immer gerne nutzt und das bei mir als Bankkauffrau natürlich auch auf offene Ohren stößt, ist folgendes:

Wenn Jesus die Nummer 1 ist und an erster Stelle steht, dann erhalten wir eine große Zahl: 1,000,000 … Sobald wir aber nur ein oder zwei Dinge – auch wenn sie gut sind – vor Jesus stellen, bleibt die Zahl klein: 0,0100000 …

Der Glaube an Jesus ist nicht kompliziert. Jedes Kind kann Gottes Liebe verstehen. Und trotzdem können Theologen jahrelang über komplexe Themen der Bibel diskutieren – und manchmal sogar streiten. Auch das zeigt, dass der Glaube lebendig ist und nicht einfach menschengemacht.

Timothy Keller sagt: „Alle Religionen sind exklusiv, aber das Christentum ist die inklusivste Exklusivität, die es gibt.“

Jeder ist eingeladen, zu diesem Weinstock zu kommen. Niemand ist ausgeschlossen. Und trotzdem sagt Jesus, dass wir ohne ihn nichts tun können.

Gebetsanliegen

•    Betet für weitere Missionare als Unterstützung im Projekt.
•    Dank für den lang ersehnten Regen.
•    Betet für viel gute Frucht.

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Hinweis: Die Beiträge von Missionaren sind persönliche Zeilen und geben nicht notwendigerweise die Meinung der VDM wieder.

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