Hoffnung ist wie ein Virus
Wahre Hoffnung ist wie ein Virus: Sie drängt von außen in uns hinein, kommt oft als Überraschung; und wenn sie da ist, nimmt sie immer mehr Raum ein, bis sie uns voll in Beschlag genommen hat. Und wenn wir uns dann mit anderen auf den Weg machen, und zwar intensiv und nicht nur oberflächlich, im Austausch und mit gegenseitiger Verletzlichkeit, dann werden auch sie davon infiziert.
Erfahrungen spenden Hoffnung
Ich habe immer wieder mit Menschen zu tun, deren Lebensumstände völlig hoffnungslos aussehen. Da gibt es oft keine Worte, die ich ihnen anbieten kann, außer einen Bericht über meine eigenen Erfahrungen von der Treue eines Gottes, der uns durch Trübsale trägt (Ps 34,19), und meine Wiedergabe von Gottes Verheißungen, dass sein Wort fester ist als alle augenscheinliche Wirklichkeit (Ps 34,10). Da ich dies persönlich erlebt habe, kann ich auch den Mut fassen, nicht nur Worte weiterzugeben, sondern ihnen auch mein eigenes Mit-sein anzubieten. Ich brauche keine Angst vor der Situation eines verzagten Menschen zu haben, da Gott größer ist als alle unsere Probleme.
Meine Erfahrung ist, dass hoffnungserfülltes Dabeisein ansteckend wirkt. Was Menschen in Schwierigkeiten brauchen, sind nicht Erklärungen, sondern die Gewissheit, dass man nicht allein ist. Indem ich aus Überzeugung berichte, kommt es oft auch bei ihnen an — und neue Horizonte werden geöffnet.
Hoffnung steckt immer wieder an
In einer Hinsicht allerdings ist Hoffnung nicht wie ein Virus: Hier folgt nach der Infektion die Immunisierung und derjenige, den ich angesteckt habe, kann mich nicht zurückinfizieren. Bei Hoffnung aber zieht sich der Kreis immer weiter: Das Aufflammen von Hoffnung im Herzen meines Freundes zündet auch mein Herz von Neuem an. Und wenn ich dranbleibe und tatsächlich Gottes Treue in seinem Leben miterlebe, werde ich von neuem infiziert und wünsche mir, weitere Menschen mit dieser Hoffnung anzustecken.
