Hoffnung im Alltag eines Kinderarztes
Seit zwei Jahren arbeiten wir am Missionsspital Diospi Suyana. Die Patienten kommen aus dem ganzen Süden Perus in der Hoffnung auf eine gute und bezahlbare Behandlung. Nicht alle Erwartungen können erfüllt werden. Viele scheitern schon an der langen Warteschlange vor dem Krankenhaus, andere benötigen solch komplexe Therapien, dass wir sie an andere Kliniken schicken müssen.
Immer wieder fließen Tränen, weil Hoffnungen zerbrechen. Und doch trägt uns eines in unserem Dienst, das wir weitergeben dürfen: eine ewige Hoffnung. Jeden Morgen in der Andacht geht es um diese frohe Botschaft von Jesus Christus.
Verlorene Hoffnung
Ein sieben Monate alter Säugling mit Atemnot wird in unser Krankenhaus gebracht. Er leidet unter einer seltenen syndromalen Erkrankung, die mit einer großen Gaumenspalte und einem nach hinten verlagerten Unterkiefer einhergeht. Die Ernährung ist sehr schwierig, deshalb wiegt er gerade so viel wie ein Neugeborenes. Wir beginnen die Behandlung, aber nach zwei Tagen verschlechtert sich die Situation deutlich. Der Kleine benötigt eine Intensivstation.
Ich begleite ihn im Krankenwagen nach Abancay. Dort werden wir freundlich empfangen, die Ärztin sieht sofort nach dem Patienten, alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Hoffnung keimt auf, man wird sich kümmern. Zwei Tage später die Nachricht: Mein Patient ist verstorben!
Noch Hoffnung?!
Ein sieben Tage altes Neugeborenes wird mir vorgestellt. Es hat seit seiner Geburt 25 % des Körpergewichts verloren. Viel zu viel! Das Kind ist stark ausgetrocknet, kraftlos, grau-gelb. Ob es sich wieder erholt? Sofort werden dem Baby eine Infusion und Milchnahrung eingeflößt. Nach drei Tagen hat es wieder Kraft, um gestillt zu werden. Die Mutter ist überglücklich.
Gefundene Hoffnung
Eine Mutter sitzt mit ihrer Tochter vor mir. Sie sind von weither angereist. Schließlich rückt die Mutter heraus, dass sie eigentlich auf eine Behandlung der Tante des Mädchens gehofft hatten, diese wurde aber nicht hereingelassen. Statt nun zu klagen, fährt sie fort: „Ich glaube, der Grund für unsere Reise war ein ganz anderer. Ich musste heute ins Krankenhaus kommen, um die Predigt zu hören. Die war genau für mich.“
