Hauptsache, die Hauptsache bleibt die Hauptsache
Die Not der Menschen um uns herum ist groß: Familien, die nichts zu essen haben; Bergdorfkinder, die Schulmaterial und Kleidung brauchen; alleinerziehende Mütter, die ihre Miete nicht zahlen können; Inhaftierte, die Medikamente benötigen; Menschen, die auf der Straße leben … Täglich erreichen uns Bitten um materielle Hilfe! Und wir versuchen, ganz praktisch zu helfen, wo immer es geht. Damit sind Besuche und Gespräche verbunden. Unglaublich, wie viel Freude ein Paket mit Grundnahrungsmitteln bei den von uns betreuten Familien auslösen kann! Und erschreckend, wie alleingelassen notleidende Menschen hier sind! Unsere Verantwortung ist groß.
Seelische und materielle Not
In den Gesprächen merken wir, dass die seelische Not der Menschen oft genauso groß ist wie die materielle. Nur ist es einfacher, die materielle Not zu lindern, sie steht zunächst im Vordergrund. Wir merken aber immer wieder neu, wie sehr die Menschen das Evangelium brauchen, auch wenn sie scheinbar nur an der materiellen Hilfe interessiert sind. Da ist viel Geduld und Gebet angesagt. Nur durch Jesus können sie auch im Blick auf ihre inneren Nöte Hilfe erfahren. Das liegt uns vor allem am Herzen! Ein Buchtitel von Reinhold Ruthe bringt es auf den Punkt: „Hauptsache, dass die Hauptsache die Hauptsache bleibt!“
Im Gefängnis
Vor Jahren lernten wir bei der Straßenarbeit Gonzalo kennen. Leider verloren wir ihn aus den Augen, doch neulich bekam Juan völlig unerwartet einen Anruf von Gonzalo: „Ich bin im
Gefängnis. Kannst du mich besuchen und Klamotten und Shampoo mitbringen?“ Beim Besuch freut sich Gonzalo sehr über die mitgebrachten Dinge und nutzt die Gelegenheit, Juan sein Herz auszuschütten. Sein Leben sei ruiniert, er sehe keinen Ausweg mehr. Angesichts der Männer, die dicht gedrängt bei lauter Musik um die beiden herum im Hof stehen, fragt Juan nach einem ruhigen Ort zum Reden und Beten. Natürlich gibt es im Gefängnis, in dem 2.500 Männer auf extrem engem Raum hausen (es ist für 400 gebaut), keine Rückzugsmöglichkeit. Da geschieht ein Wunder: Die Sozialarbeiterin stellt ihnen für eine Stunde ihr Büro zur Verfügung.
Das größte Wunder aber ist, dass Gonzalo Jesus um Vergebung bittet und ihm sein Leben anvertraut.
