Gott lenkt auch durch Ab-Lenkungen

Der amerikanische Schriftsteller und Humorist Mark Twain schrieb, dass der „Wendepunkt“ seines Lebens kam, als er mit zwölf Jahren an Masern erkrankte: Er hatte sich absichtlich bei einem Nachbarsjungen angesteckt, und es sollte für ihn fast tödlich ausgehen. Seine Mutter, eine leidgeprüfte Witwe, beschloss, dass sie seine „Späßchen“ nicht mehr verkraften konnte, und schickte ihn zu seinem Bruder in die Lehre.

Dort lernte Twain den Buchdruck kennen und las viel. Später wurde er Steuermann auf einem Dampf-schiff, dann zog er in den Westen auf der Suche nach Abenteuer und Vermögen. Nebenbei beschäftigte er sich damit, für Lokalzeitungen humoristische Stücke zu schreiben; irgendwann entstand daraus seine legendäre Schriftsteller-Karriere. Aber wenn er sagen sollte, wie er zum Schriftsteller wurde, lautete seine Antwort, er habe sich als Zwölf-jähriger mit Masern angesteckt.

Auf eine Berufung gewartet

An diese Geschichte habe ich in meinem Leben immer wieder denken müssen. Vielen Menschen scheint nie eine spezifische Berufung zuzukommen, sondern nur eine Reihe von scheinbar willkürlichen Ereignissen. Ich selbst habe lange Zeit auf eine unmissverständliche Berufung gewartet, wie wir sie etwa aus der Bibel kennen, aus der Kirchengeschichte oder der Zeugnisrunde. Aber Gott kann auch anders führen.

Wenn etwas dazwischen kommt

Jetzt bin ich in Deutschland, um mit der VDM nach Paraguay zu ziehen. Dort arbeite ich mit einem Kinder-werk und erteile Musikunterricht. Ich sah mich eigentlich nie als Lehrer noch als Kinder-Onkel noch in Paraguay. Wie ich doch hier gelandet bin, das klingt vielleicht nach einer vielversprechenden Geschichte, aber eigentlich war es nur eine Reihe von Ab-Lenkungen.

Man müsste schon ein Mark Twain sein, um daraus eine unterhaltsame Erzählung zu machen: Da war ich mit einer Sache beschäftigt, und dann kam etwas dazwischen – ein Umzug, eine Einladung, ein Gespräch, ein Hindernis, ein Verlust, eine Reise … allerlei alltägliche Ablenkungen. Aber auch durch Ablenkungen kann Gott lenken.

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