Gibt es überhaupt noch Hoffnung?

Als ich jedoch anfing, mit meinen haitianischen Geschwistern persönlichen Kontakt aufzunehmen und ihre Sprache und ein bisschen ihr Leben mitzuerleben, fing ich an, mich zuhause zu fühlen. Ein großes Vorbild ist mir ihr Glaube, weil er viel realer gelebt wird.

Gebeuteltes Land – Chaos regiert

Immer wieder gab es Umstürze und Unruhen, oft war es nicht möglich zu arbeiten. Zweimal verließen die Jungs und ich das Land. Immer wieder die Hoffnung: „Jetzt wird es endlich besser!“

Aber … so schlimm wie jetzt war es noch nie: Banden regieren und es herrscht Anarchie. Wir im Süden dürfen dankbar sein, dass es immer noch einigermaßen funktioniert – man hat uns nicht vertrieben, wir haben nicht buchstäblich unser ganzes Hab und Gut verloren. Wie gut ist es zu wissen, dass wir hier an dem Platz sind, an den der Herr uns gestellt hat; und dass wir an der Heimatfront Geschwister haben, die für uns beten.

Zwischen zwei Welten zu leben …

… erinnert uns daran, dass wir Durchreisende sind, auf dem Weg. Trotzdem vermisse ich meine Familie, meine Gemeinden und Hauskreise. Der persönliche Kontakt fehlt eben doch, trotz Internet. Monatelang von unseren Jungs getrennt zu sein, besondere Ereignisse nicht persönlich miterleben zu können, das lässt mich oft hin- und hergerissen sein.

Ja, es gibt sie – die Hoffnung!

Wenn ich auf die 36 Jahre in Haiti zurückschaue: Es hat sich gelohnt, es war es wert, mein Horizont hat sich erweitert; und es hat mich gelehrt, mehr auf Gott zu vertrauen, flexibler zu werden und mich selber nicht immer zu wichtig zu nehmen.

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unterwegs | Ausgabe 1/2025
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