Geschichten erzählen und zuhören

Kürzlich wurden wir eingeladen, die Gruppenleiter einer einheimischen Studentenbewegung zu schulen. Daniel hat am Morgen über Evangelisation gesprochen und Love hatte den Nachmittag, um die 20 Teilnehmer in Seelsorge zu schulen. Wollt ihr wissen, wie es uns dabei ergangen ist?

Zunächst erzählte Daniel die Geschichte von Jesus und der Ehebrecherin aus Johannes 8. Dann wurden die Studenten in Gruppen aufgeteilt und jeder in der Gruppe musste die Geschichte nacherzählen, während die anderen aufpassten, dass die Geschichte akkurat wiedergegeben wurde. Im dritten Schritt hatte Daniel verschiedene Aktivitäten (z. B. Rollenspiele) vorbereitet mit dem Ziel, dass die Teilnehmer sich in die diversen Charaktere der Geschichte hineinversetzen konnten und somit in die Geschichte „transportiert“ wurden.

Dann teilte Daniel die Studenten wieder in Gruppen auf und jeder hatte die Möglichkeit mitzuteilen, was Gott ihm durch die Geschichte gesagt hatte. Immer noch in den Gruppen mussten die Teilnehmer im fünften Schritt das sagen, was sie aufgrund dessen, was sie aus der Geschichte gelernt haben, konkret tun werden. Als Letztes musste sich jeder überlegen, wem er in den kommenden Tagen die Geschichte weitersagen wird.

Es hört sich so einfach an. Daniel hat weder über die Geschichte gesprochen noch hat er sie erklärt; er hat sie lediglich erzählt und durch die Aktivitäten hat sie selbst zu den Studenten gesprochen. Hier das Resümee von zwei Studenten:

„Während Dans Dialog habe ich auf eine ganz andere Weise gelernt als bei den üblichen Lehrmethoden; es war das erste Mal, dass ich eine so einzigartige Strategie erlebt habe: Dan hat uns nicht erklärt, worum es in der Geschichte geht, sondern uns vielmehr mitten in sie hineingenommen. Er ließ uns in die Rolle der Beteiligten schlüpfen und dadurch konnten wir die Geschichte selbst erklären aufgrund von dem, was er uns ‚erzähltʻ hatte.“

„Dans Bibeldialog hat mir wirklich die Augen geöffnet für neue Perspektiven innerhalb der Geschichte; er präsentierte sie so, dass ich mich völlig eingetaucht fühlte, als wäre ich direkt in der Szene dabei. Das hat mich dazu gebracht, nicht nur meinen Verstand, sondern auch mein Herz und mein kritisches Denken einzusetzen. Besonders beeindruckt hat mich die Kraft, die es hat, wenn man die Geschichte für sich selbst sprechen lässt: Gottes Wort wirken lassen, ohne es zu sehr zu erklären oder zu viel von uns selbst hinzuzufügen. Dans verschiedene Erzählstrategien haben mir gezeigt, wie kraftvoll und wirksam es sein kann, wenn wir lernen, die Geschichte so zu erzählen, dass sie sowohl Herz als auch Verstand erreicht. Es hat mich herausgefordert, kreativer und bewusster darin zu werden, wie ich die Bibel mit anderen teile, im Wissen, dass jeder Mensch auf seine eigene Weise mit ihr in Verbindung tritt.“

Nach dem gemeinsamen Mittagessen war Love dran mit ihrem Seelsorgeseminar. Themen wie Zuhören, Verschwiegenheit und „Was man nicht tun sollte“ kamen bei den Studenten gut an und sie haben viel gelernt. Hier einige der Rückmeldungen:

„Von Love habe ich endlich verstanden, worum es in der Seelsorge wirklich geht: Sie erklärte, dass man nicht Ratschläge geben oder den Leuten sagen soll, was sie tun sollen; vielmehr geht es darum, aufmerksam zuzuhören, ein ungefährlicher und verschwiegener Gesprächspartner zu sein und anderen zu helfen, in der Bibel Gottes Antworten für ihre Probleme zu finden. Seelsorge soll Gottes Liebe zeigen, indem man Menschen hilft, die zu kämpfen haben.“

„Nach dem Seminar mit Love kann ich sagen, dass ich viel gelernt habe, besonders über falsches Verhalten, das nicht gut ist. Es hat mir Klarheit darüber gegeben, was ich tun sollte und was nicht.“

„Nach Loves Unterricht sehe ich Seelsorge nun auf eine tiefere und bedeutungsvollere Weise: Seelsorge sind nicht nur Gespräche; wir wollen echte Verbindungen aufbauen, die Kraft des Zuhörens nutzen, Vertrauen schaffen, Vertraulichkeit praktizieren und vor allem: Gott in jedem Gespräch anerkennen und auf Ihn vertrauen. Mir wurde bewusst, dass ich mich nicht auf meine eigene Kraft verlassen kann, um andere zu führen. Meine Rolle ist es, einfach das Licht hochzuhalten, denn Jesus selbst ist das Licht."

Danke!

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