Genug für alle!

„Ich kann nicht mehr, ich schicke sie nach Hause.“ Dinah* sitzt mir bei einer Tasse Kaffee in unserer Vereinsküche gegenüber und erzählt von den Herausforderungen mit ihrer Tochter. Seit drei Jahren lebt diese nun bei Dinah hier in Wien – davor ist sie in Bulgarien bei der Oma aufgewachsen.

Viele unserer Klientinnen haben Kinder. Häufig leiden diese sehr unter den schwierigen Lebensumständen ihrer Mütter. Viele haben Halbgeschwister, die von anderen Männern gezeugt wurden. Kontakt zu den Vätern gibt es meist nicht – und wenn, dann ist es kompliziert.

Die Mütter versuchen nach bestem Wissen und Gewissen zu agieren, haben aber selbst viele kindliche Bedürfnisse. Ihre eigene Kindheit war oft grauenvoll, so auch bei Dinah: Vernachlässigung, Hunger, Chaos und Misshandlung prägten ihr Kinderdasein. Heute versucht sie mit aller Kraft, eine gute Mutter zu sein – und manchmal gelingt ihr das auch. Das ist für mich ein wahres Wunder.

Kein Mangel im Himmel

Dinah will nicht, dass ihre Tochter wie sie aufwachsen muss. In Wien kann sie zur Schule gehen, hat eine Zukunft. Doch die Beziehung zwischen den beiden ist ein zartes Pflänzchen und will täglich von Dinah gepflegt werden. Manchmal geht ihr die Zuversicht aus. „Gott, gib mir Kraft!“, betet sie dann immer wieder.

Mit Gottes Hilfe und der Unterstützung eines Bekannten sowie unseres Teams konnte Dinah sich vor einigen Jahren langsam aus der Prostitution lösen und ein neues Leben beginnen. Heute arbeitet sie als Reinigungsfrau und holt ihren Schulabschluss nach. Und ich ermutige sie, dass sie bei Gott Kind sein darf – auch, wenn sie im Natürlichen schon Mama ist. Unser himmlischer Vater hat genug Versorgung für alle!
*Name geändert

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unterwegs | Dezember 2023
Unsere „Begleiterinnen" stehen Klientinnen auch in Alltagsherausforderungen zur Seite – dadurch wächst Vertrauen.