Freunde, die teilhaben

Freunde, die an Dienst und Leben teilnehmen

„Du bist kein echter Missionar!“ „Wie kommst du darauf?“ „Du musst nicht fliegen, um in dein Einsatzland zu kommen.“ Diese Aussage in einem Gespräch im Reisedienst tat weh. Sie brachte sehr direkt zum Ausdruck, was manchmal versteckt wird hinter Aussagen wie „Österreich ist ja fast wie das südlichste Bundesland Deutschlands. Ihr müsst weder eine andere Sprache lernen noch euch auf eine andere Kultur einlassen“. Wenn man von Deutschland nach Österreich als Missionar ausgesendet worden ist, ist das eine der Herausforderungen in der alten Heimat.

Die geografische Nähe Österreichs bedeutet, dass man leicht erreichbar ist – in unseren über 32 Jahren in Österreich haben manche Freunde das für einen Besuch genutzt. Das schätzen wir und dafür sind wir dankbar. Wir denken an eine liebe Familie, die mehrmals rund 750 km zurückgelegt hat, um uns zu besuchen; und als sie erfuhren, dass wir mit der Gemeinde ein altes Gasthaus zum Gemeindezentrum umbauten, schenkten sie unserer Gemeinde einige Tage Arbeitseinsatz. Was für eine Ermutigung für die Gemeinde in Spittal! Und was für eine Ermutigung für uns als Familie: Wir haben das empfunden als gelebte Freundschaft, als Teilnahme an unserem Leben und Dienst. Diese Besuche haben zugleich die Beziehung zu unserer Heimatgemeinde aus der Studienzeit gefördert und mit Leben gefüllt. Und in dem alle zwei Jahre zu absolvierenden Reisedienst konnte Rudolf mehrere Wochen in einem Zimmer bei dieser Familie wohnen. Dieses gegenseitige Anteilnehmen und Einblick-Geben sind in unseren Augen sehr kostbar.

 

Wir denken an zwei Ehepaare, die uns besuchten und dabei halfen, in dem kurz zuvor bezogenen alten Bauernhaus das Badezimmer zu renovieren. Als unsere Laura geboren war, unser Auto alt und der Platz darin eng wurde, schenkte uns eine Familie einen gebrauchten Passat Kombi. Sie schauten in unser Leben, weil wir einander wichtig waren, sahen die Herausforderung und fanden einen Weg, uns zu helfen. Mehrere junge Männer aus Rudolfs alter Heimat hatten von dem Umbau zum Gemeindezentrum gehört, auch sie schenkten der Gemeinde einige Arbeitstage. Ich erinnere mich noch an die erstaunte Frage eines Gemeindegliedes: „Warum machen sie das? Sie kennen uns doch gar nicht.“

Einmal hat sich sogar unser ganzer Hauskreis, den wir während des Studiums besucht hatten, aufgemacht, um uns für ein verlängertes Wochenende zu besuchen. Unsere Laura war erst wenige Monate alt und wir standen am Anfang der Leitung einer kleinen Bibelschule. Sie wollten uns sehen und in unserer neuen Aufgabe unterstützen. 650 km waren ihnen nicht zu weit.

Diese Erlebnisse stehen beispielhaft für weitere persönliche Besuche und Begegnungen. Was sie verbindet und für uns so kostbar macht, ist das Anteilnehmen an unserem Leben und Dienst, das Teilen von Freud und Leid. Im dankbaren Rückblick taucht der Gedanke auf, ob Gott uns nicht manchmal durch unsere Freunde seine Anteilnahme an unserem Leben greifbar und erlebbar gemacht hat.

Rudolf und Dagmars Arbeit unterstützen

Hinweis: Die Beiträge von Missionaren sind persönliche Zeilen und geben nicht notwendigerweise die Meinung der VDM wieder.

Rudolf und Dagmars Blog

Hier gibt es noch mehr Beiträge und Geschichten von den Missionaren und ihrer Arbeit im Einsatzland zum Weiterlesen.

Icon
unterwegs | Ausgabe 2/2026
Das Telefon klingelt. Ein junger Mann sei gestorben, und der Pfarrer wolle die Beerdigung nicht übernehmen. Die Familie sei verzweifelt. Ich sage zu, denn Hilfe hängt für mich nicht von der Kirchenzugehörigkeit ab.
Icon
unterwegs | Mai 2024
Jesus konsequent zu folgen, macht das Leben intensiv. Auch nach über 30 Jahren Mission bringt es Herausforderungen und Gottes Wirken hautnah in unser Leben. Für dieses intensive Leben sind wir von Herzen dankbar.