Fassungslos

Wie konnte dies passieren, mit nur 21 Jahren?
B. wurde von seiner Oma erzogen, seine Mutter war im Alter von 15 Jahren vergewaltigt worden. Als er älter wurde, war es seine „Aufgabe“, für die 12-köpfige Familie zu sorgen; sie wohnten alle zusammen in einer Wellblechhütte. Als ich dort hinkam, um die Beerdigung vorzubereiten, fanden wir gerade mal ein Bett und eine Couch vor. Es gibt kein fließendes Wasser und auch keine Toilette (sie benutzen die der Nachbarin).
Es ist zutiefst schmerzhaft, diese Trauer, aber gleichzeitig fühlen wir uns getragen. Aber nun zurück zum Anfang.
Zoe ist ein Opfer des Menschenhandels; vor Jahren hatte ich das Privileg, sie aus dem Menschenhandel zu retten. Die Ärzte hatten sie bereits aufgegeben, da sie schwer krank war; sie dachten, Zoe würde sterben. Ihr Leben in der Prostitution hätte sie fast das Leben gekostet! Inzwischen arbeitet sie als Missionarin und kümmert sich um andere Opfer von Prostitution und moderner Sklaverei. Als sie mich anrief, traf es mich wie ein Schock, denn ich kannte auch ihren Sohn. Wieder war ein junges Leben verlorengegangen aufgrund der Brutalität in diesem Land!
Heute Abend backen wir noch einen Kuchen, denn morgen wäre B. 22 Jahre alt geworden. So stehen wir hier – und in ein paar Tagen werden wir ihn zu Grabe tragen.
Inzwischen ist die Beerdigung vorüber. Es war eine sehr emotionale Situation. Vor dem Sarg standen 15, 20 junge Männer, alle um die 20–22 Jahre. Sie sangen Abschiedslieder für ihren Freund.
In solchen Momenten merke ich immer wieder, wie wichtig es ist, Veränderungen zuzulassen – auch in meinem Terminkalender –, denn letztendlich geht es um Menschen.

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