Durch die Blume gesagt
Als ich vor sechs Jahren nach Portugal gezogen war, konnte ich monatelang das Grinsen nicht aus dem Gesicht kriegen. Ich fand einfach alles toll: das Wetter, den Strand, die Arbeit, die Leute … Im Vergleich zu vielen anderen Kulturen ist Portugal Deutschland auf den ersten Blick recht ähnlich, sodass vor allem Unterschiede im Umgang miteinander mir zu Beginn nicht aufgefallen sind. Ich habe alle so behandelt wie in Deutschland und hatte damit lange keine Schwierigkeiten.
Nett verpackt
Bis ich auf einmal am selben Tag unabhängig voneinander von zwei Personen hörte, da stehe etwas zwischen uns, das wir klären müssten. Ich fiel aus allen Wolken! Ich hatte
überhaupt nicht gemerkt, dass die beiden ein Problem mit mir hatten. Anstatt jedoch selbst mit mir zu reden, schickten sie eine Freundin als „Vermittlerin“; nur durfte sie mir nicht so genau sagen, was ich überhaupt getan hatte. Nett verpackt gab sie mir jedoch zu verstehen, ich hätte die betroffenen Personen mit meinem Verhalten verletzt und möge so etwas bitte nicht wiederholen.
Mit den Jahren sind immer wieder ähnliche Situationen entstanden. So teilte mir eine Kundin aus dem Second-Hand-Laden Wochen später mit, aufgrund von irgendetwas, was ich getan oder gesagt hatte, hätte sie eigentlich beschlossen, nie wiederzukommen. Dann jedoch sei ich ihr auf der Straße begegnet und sei so nett gewesen, dass sie mir doch
vergeben konnte.
Hauptsache nett sein?
Dieser Umgang mit Konflikten wirkt sich auch auf das Glaubensleben aus. Diskussionen über den Glauben haben viel Konfliktpotenzial, also werden sie am liebsten umgangen. Der Glaube gilt als Privatsache. In unserem Laden habe ich Gespräche mit Menschen verschiedener Religionen und immer wieder fällt mir auf, dass die Leute gar nicht wissen, woran sie glauben und warum. Es sei doch alles dasselbe, solange wir alle nett zueinander seien. Meine Herausforderung ist es, dann klar darzustellen, was das Evangelium wirklich ist.
Bitte bete mit mir, dass meine portugiesischen Gesprächspartner anfangen, ihren Glauben zu hinterfragen und offen anzusprechen. Denn Jesus macht einen Unterschied!
