Die Herausforderung, Gast zu sein

„Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns …“

Kaum jemand hätte bei diesem Satz aus der „Weihnachtsgeschichte“ des Johannesevangeliums an das Ringen auf der Synode in Südafrika gedacht – den gut gemeinten Anträgen, für farbige und schwarze Pfarrersfamilien Hilfsfonds einzurichten, schlug herbe Kritik entgegen: „Wenn nicht jede Gemeinde selbst für ihre Kosten aufkommen müsste und stattdessen die Pfarrer zentral und gleich bezahlt würden, bräuchten wir keine Hilfsprogramme!“ Deutlich trat zutage, dass trotz des inzwischen selbstverständlichen Miteinanders die Strukturen der Ungleichheit nicht überwunden sind. In der Kolonial- und Apartheidszeit hatten Einwanderer und ihre Nachfahren Entscheidungen über die Köpfe anderer hinweg getroffen und von ihnen Unterordnung, Zustimmung und Anpassung verlangt. Die Rollen von Gästen und Gastgebern hatten sich umgekehrt.

Bei Weihnachten, bei der Menschwerdung Jesu, geht es auch um „Gast sein“ und Gastfreundschaft. Nur ist nicht immer klar: Wer ist Gast, wer ist Gastgeber?

Jesus wurde von den Menschen als Mensch aufgenommen. Zugleich wies er als der Sohn Gottes ihnen den Weg in Gottes Königreich, wo sie ganzheitlich zuhause sein, „nach Hause“ kommen konnten. Wir laden dazu ein, Jesus ins Herz aufzunehmen; zugleich soll er Herr sein über das Leben anderer und unser eigenes. Darin drückt sich ein Spannungsverhältnis aus, was sich auch manchmal in unserem Lebensalltag widerspiegelt – so auch in der Kirche, der wir uns in Südafrika angeschlossen haben.

Gastfreundlich zu sein ist ein biblisches Gebot. Schwierig wird es, wenn Erwartungen an Gast- und Gastgeberrollen miteinander in Konflikt geraten: Es kann anmaßend oder herablassend wirken, Großzügigkeit zu leben, wenn diese Rolle eigentlich anderen zukommt. Besonders schwierig wird es, wenn die Gastgeber aber über weniger Mittel für Großzügigkeit verfügen als die, die eigentlich Gäste sein sollten. Und in alledem will Gemeinschaft unter Geschwistern im Herrn gelebt werden. Das ist herausfordernd, bringt Verletzungen mit sich und erfordert viel Gnade, Demut und Vergebungsbereitschaft.

Inspiriert von Jesus, der seine göttlichen Privilegien aufgab (Phil. 2,6–7), wollen wir mit anderen lernen, Gast zu sein. Wir vertrauen darauf, dass Gott dies gebraucht, um Versöhnung wachsen zu lassen, mehr Verständnis und Liebe füreinander sowie Abhängigkeit von Ihm.

 

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