Der Prophet, der zu mir sprach

Hinter uns liegen ein paar herausfordernde Wochen. Lange Zeit wussten wir nicht, ob wir ein Visum für die USA bekommen würden. Und als wir es hatten, hätten sie uns am Flughafen fast Probleme deswegen gemacht, weil ein Studentenvisum für die Einreise noch gar nicht zugelassen war. Wir hatten zwei Haushaltsauflösungen innerhalb ein paar Monaten hinter uns, lebten immer wieder aus Koffern und saßen schlussendlich im Flieger, ohne in den USA eine Wohnung zu haben.

Die ersten Tage in Amerika waren emotional anstrengend: der Jetlag, die zwei verpassten Wochen der Mechanikerausbildung, das fachliche Englisch.

Wir brauchten ein paar Tage, um wieder etwas Gleichgewicht in unser Leben zu bekommen.

Und dann war da der Prophet

Das Buch Haggai in der Bibel forderte mich (Anna) ganz schön heraus: Wie Israel hatte ich gute Argumente, mich erst einmal um mich selbst zu kümmern. Ich war unglücklich mit meiner Situation – kein Zuhause, Leben auf Abruf, keine Ahnung, was der nächste Tag bringen würde. Kein Zur-Ruhe-Kommen.

Gott ließ Israel durch Haggai sagen: „Schaut euch doch an! Warum läuft euer Leben so schief, obwohl ihr alles drangesetzt habt, es euch gut gehen zu lassen? Mich und mein Haus habt ihr dabei völlig vergessen.“ Aber hatten sie nicht recht?! Heißt es heute nicht auch überall: „Liebe zuerst dich, erst dann kannst du deinen Nächsten lieben“?

Die Wende

Als ich den Rundbrief einer Missionarin bekam, überflog ich die Gebetsanliegen nur. Ich sagte mir, ich hätte genug für mich selbst zu beten, bevor ich mich wirklich für die Anliegen anderer interessieren könnte.

Und dann fiel mir wieder Haggai ein. Vielleicht wollte Gott, dass ich genau das tat – für sie beten? War das vielleicht meine Möglichkeit, an Gottes Haus mitzubauen?!

In dem Moment spürte ich in mir die Gewissheit, dass Gott sich um mich kümmern würde. Wie damals bei Israel hat Er Seinen Segen von meinem Gehorsam Ihm gegenüber abhängig gemacht. Das war ’mal eine Horizonterweiterung!

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