Damit habe ich nicht gerechnet
„Wir können dich heute nach Hause bringen“, sagt ein Bibelschülerehepaar zu mir. Gerne nehme ich das an. Während der Fahrt fängt es an zu schütten und plötzlich zu hageln. Wie dankbar bin ich, dass ich nicht an der Straße auf ein öffentliches Verkehrsmittel warten muss.
Auf dem Weg erzählen mir Sara und Cristhian, dass Cristhians Vater lange auf der Intensivstation lag, bevor er gestorben ist. Er war Pastor einer Gemeinde. Cristhian übernahm die Rolle seines Vaters. Allerdings erlebte er bald danach eine Spaltung, da die meisten Jugendlichen eine eigene „junge Gemeinde“ gründen wollten. Kein einfacher Start für ein junges Ehepaar, das in diese Aufgabe hineinwächst und sich nun seit einem Jahr an der Bibelschule gleichzeitig auf den Dienst vorbereitet.
Am Montag in meinem Unterricht sind sie darum oft sehr müde und kämpfen mit dem Schlaf, da sie am Wochenende viele Aktivitäten in der Gemeinde haben. Darum versuche ich, den Unterricht möglichst aktiv und kreativ zu gestalten. Besondere Freude haben die beiden am Fach Evangelisation, wo sich Theorie und Praxis verbinden. Die Schüler werden ermutigt, Gottes Wort durch ihr eigenes Zeugnis, zum Beispiel durch das wortlose Buch und andere Methoden, weiterzugeben.
Letzte Woche verkündigte Cristhian mir freudig: „Sara und ich wollen in den nächsten Wochen einmal pro Woche auf die Stadtplätze gehen, um das Evangelium zu verkünden.“ Obwohl Sara Hemmungen davor hat, möchte sie es mit Gottes Hilfe wagen.
Gespannt höre ich, wie Gott Cristhians Vater gebraucht hat. Er war in viele Dörfer gegangen, um Evangelisationen abzuhalten, auch dort, wo es früher noch keine Gemeinden gab: „Mein Vater wurde oft schlecht behandelt, sogar mit Steinen beworfen. Einmal haben sie ihn sogar mit falschen Anschuldigungen auf die Polizeiwache geschleppt, weil er angeblich die Ernte gestohlen hätte.“ Keiner rechnete damit, dass er in die Hände eines gläubigen Polizisten kommen würde, der ihn verteidigte und die wahren Täter einsperrte.
Für Gott gibt es nicht die Grenzen, die wir uns selbst einreden, um Gottes Wort nicht weiterzugeben. Und selbst da, wo Schwierigkeiten auftreten, ist Gott da und benutzt Hindernisse zum Segen.
Selbst da, wo Schwierigkeiten auftreten, ist Gott da und benutzt Hindernisse zum Segen.
Herausforderungen fehlen im Unterricht nicht. Vor allem dann, wenn viel diskutierte Themen in der Theologie angeschnitten werden und es von der Bibel her keine eindeutige Antwort gibt. Im Fach Engellehre sprach eine Schülerin den Text aus 1. Mose 6 an, wo sich die Gottessöhne mit den Töchtern der Menschen eingelassen haben.
Um keine vorschnelle Antwort zu geben, versprach ich, mich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Im Unterricht schauten wir dann verschiedene Bibelstellen an, die damit in Zusammenhang stehen. Doch dabei stieß ich als Dozentin an Grenzen. Dies geschieht immer wieder, wenn Fragen aufkommen, die keine eindeutige Antwort haben, wie zum Beispiel: „Gibt es im Himmel auch Tiere?“ oder: „Was ist mit den Menschen, die noch nie von Jesus gehört haben oder die im Alten Testament lebten?“
Ich bin froh über diese Grenzen, da sie mich immer wieder dazu führen, selbst zu forschen und Gott um seine Leitung zu bitten – aber vor allem auch demütig zu bleiben und gemeinsam mit den Schülern zu lernen.
Zwei Bibelschüler planten als Alternative zum Karneval eine Jugendfreizeit für ihre Gemeinde, die nicht zum Verband der Bibelschule gehört. Der Zielort: ein Zeltplatz neben einem Thermalbad im Freien. Die beiden waren allein am Vorbereiten, als ihnen die Idee kam, an der Bibelschule zu fragen: „Habt ihr nicht Lust mitzukommen und uns zu helfen?“
Ich stand gerade neben den Bibelschülern, und sie antworteten, ohne zu zögern: „Gerne unterstützen wir euch dabei!“ Sie dachten keinen Moment an den anderen Gemeindestil, unterschiedliche Lehrmeinungen oder daran, dass sie die Jugendlichen dieser Gemeinde gar nicht kennen. Sie sagten einfach: „Ja“.
Voller Freude berichtete mir unsere neue Schülerin Gloria, 32 Jahre alt, danach: „Das war so genial. Ich war in meinem ganzen Leben noch nie auf einer Freizeit.“
Gebetsanliegen
- Mut und Freudigkeit zum Zeugnis
- Wachstum im Glauben und Veränderungen
- Gottes Leitung bei allen aufkommenden Fragen
