Beziehungen schaffen
In Adrianas* Elternhaus erlebte sie Gewalt und Missbrauch. Die paraguayische Justiz griff ein, sodass sie ihre Kindheit und Jugend in einem Mädchenheim verbrachte. Als sie volljährig wurde, stand sie vor der Herausforderung, Arbeit zu finden. In einer Kleinstadt in Paraguay sind die Möglichkeiten begrenzt.
Eines Tages hörte ich, dass eine amerikanische Schule in Asunción dringend Mitarbeitende suchte. Adriana hatte durch den Kontakt mit Missionaren erste Englischkenntnisse erworben. Ich ermutigte sie, sich zu bewerben; und ich erklärte ihr, wo und wie sie auf der dreistündigen Busfahrt umsteigen musste, um zur Schule zu gelangen.
Adriana erhielt eine Stelle als Lehrassistenz. Wenn ich in der Hauptstadt bin, treffen wir uns gelegentlich. Ihr Englisch hat sich deutlich verbessert. Sie verdient ihren Lebensunterhalt selbst, studiert nebenbei, engagiert sich in ihrer Gemeinde und lebt inzwischen in einer Wohngemeinschaft.
Missionarinnen und Missionare übernehmen vielfältige Aufgaben. Eine der sichtbarsten ist es, Beziehungen zu knüpfen. In vielen Kontexten verfügen sie über ein breites Netzwerk und haben Zugang zu unterschiedlichen Ressourcen.
Diese Verbindungen können Brücken bauen zwischen einem Kinderprojekt, das Freiwillige sucht, und jemandem, der sich engagieren möchte. Zwischen einer Gemeinde ohne finanzielle Mittel und Menschen, die Erfahrung mit Fundraising haben. Oder zwischen einer jungen Frau aus dem Landesinneren und einer Schule in der Hauptstadt.
Ich frage mich regelmäßig, wie wirksam meine Arbeit als Musiklehrer und Missionar ist. Wenn es darum geht, Virtuosen auszubilden oder Erweckung zu initiieren, dann bin ich keine Erfolgsgeschichte.
Vielleicht aber besteht mein Auftrag darin, Menschen miteinander in Beziehung zu bringen und Wege zu eröffnen, die sonst verschlossen geblieben wären.
